Kategorie: Kommentar und Position

  • GayNow-Artikel: Homo-Aktivist Walter Tróchez in Honduras ermordet

    walter_trochezDer Menschrechtsaktivist Walter Tróchez,  der sich in der honduranischen LSBT-Bewegung (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) einsetzt, wurde am 14. Dezember in der Hauptstadt des Landes, Tegucigalpa erschossen. Der Mord ist Teil einer Reihe von gewalttätigen Anfeindungen, Übergriffen und Menschenrechtsverletzungen gegenüber LSBT in Honduras seit dem Militärputsch im Juni 2009. Tróchez nannte in seinem Brief vom 16. November, in dem er über die gefährliche Lage berichtete, 9 ermordete LSBT Aktivist_innen  in den 4 Monaten seit dem Putsch. Die International Gay and Lesbian Human Rights Commission  sprach bei der Ermordung von Tróchez sogar vom 16. Mord dieser Art seit dem Staatsstreich. Amnesty International, HRW (Human Rights Watch) und weitere Organisationen kritisieren öffentlich die massiven Menschenrechtsverletzungen und fordern eine umfangreiche Aufklärung und juristische Ahndung der Morde. HRW sprach von einem gefährlichen Muster von Gewalt an LSBT seit dem Staatsstreich. Juliana Cano, die im Namen von HRW hierzu recherchiert, sagte: „Die zunehmende Gewalt gegen Menschen die anders aussehen oder anders lieben spiegelt eine Krise der Intoleranz wieder.“

    Walter Tróchez war Aktivist der Widerstandsbewegung, sowie HIV/Aids-Aktivist in Honduras und setzte sich gegen den Putsch ein. Er hat mehrfach über homo- und transphobe Ermordungen seit dem Staatsstreich berichtet und publiziert. Hierdurch wurde er zum Feind der Putschregierung und ihrer Unterstützer_innen. Einige Tage vor seiner Ermordung, am 4. Dezember, wurde er von 4 Maskierten gekidnappt, zusammengeschlagen und bekam eine Morddrohung, dass er unmittelbar mit seinem politischen Aktivismus aufhören solle. Die Kidnapper versuchten, Informationen von ihm über die Widerstandsbewegung zu bekommen. Es gelang ihm glücklicherweise zu fliehen. Anschließend reichte er eine Beschwerde ein, mit nationaler sowie internationaler Unterstützung. Noch im gleichen Monat wurde er aus einem vorbeifahrenden Auto heraus mehrfach angeschossen. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

    Laut der Honduras-Expertin und Assistenz-Professorin für Anthropologie an der American University in Washington, D.C., die täglichen Kontakt zur Oppositions- und zur LSBT -Bewegung pflegt, hat der Mord an Tróchez eine besonders starke Außenwirkung. Einerseits war er innerhalb der Widerstandsbewegung gegen den Staatsputsch aktiv, andererseits hat er innerhalb dieser Bewegung seine Mitstreiter_innen mit ihrer eigenen Homo- und Transphobie konfrontiert und so zu mehr Respekt und Toleranz innerhalb der honduranischen Linken geführt.

    Verschiedene Quellen beschuldigen die Regierung des Mordes an Walter Tróchez und weiteren Aktivist_innen, die Regierung weist jede Schuld von sich. Die polizeilichen Ermittlungen haben laut eigener Aussagen der Behörden nichts ergeben. Das einzige was herausgefunden wurde, sei, dass die honduranische Polizei mit dem Mord nichts zu tun habe.

    Der Putsch des demokratisch gewählten Präsidenten Manuel Zelaya ereignete sich am 28. Juni 2009 in Tegucigalpa. Vorangegangen war eine kontroverse Debatte um die Einberufung eines Volksentscheids. Zelaya hatte vor für den 28. Juni eine Volksbefragung stattfinden zu lassen, in dem die Bevölkerung entscheiden sollte, ob gleichzeitig zur Präsidentschaftswahl im November über ein Referendum zur Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung abgestimmt wird. Zelayas Kritiker_innen warfen ihm vor, hiermit auf eine  rechtliche Grundlage für eine Wiederwahl von ihm als Präsidenten abzuzielen. Die Änderung dieses Paragraphen ist eigentlich in der Verfassung verboten.

    Vorangegangen waren Streitigkeiten um Zelayas politische Orientierung. Der zunächst als konservativ-liberaler Präsident gewählte Zelaya hat aktuell seine Hauptunterstützung durch die honduranische Linke, sowie durch das linksgerichtetete lateinamerikanische Staatenbündnis ALBA. Dies führte zu enormen parteiinternen Konflikten. Der Putschpräsident Michelletti ist Mitglied derselben Partei wie Zelaya und damit ein Beispiel für die Spaltung der Partei.

    Vieles hängt nun davon ab, ob die neue honduranische Regierung von anderen Staaten  anerkannt wird oder nicht. Im November wurde der neue konservative Kandidat Porfirio „Pepe“ Lobo zum Präsidenten gewählt. Die Wahl ist allerdings höchst umstritten. Unabhängige NGOs  haben mehrfach dazu aufgerufen, die Wahl nicht anzuerkennen. Des weiteren berichten sie ebenso wie die Widerstandsbewegung des Landes von einer Wahlenthaltung von bis zu 70%. Demonstrationen am Tag der Wahlen wurden gewalttätig niedergeschlagen, Menschen die dazu aufriefen, die Wahlen zu boykottieren wurden mit hohen Strafen und dem Entzug der Staatsbürgerschaft bedroht. Es gibt Berichte, dass Militär und Polizei politisch instrumentalisiert worden sind für Einschüchterungen und Morde.

    Die deutsche Bundesregierung hat sich noch nicht klar zur Anerkennung der Wahlen  geäußert. Vizeregierungschef Guido Westerwelle ist aber für eine Anerkennung. Die EU ist hierbei gespalten. Fast alle Staaten Nord- und Südamerikas lehnen eine Anerkennung der Wahlen ab, mit Ausnahme der USA, Kolumbiens, Panamas und Costa Ricas. Die Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft, angeführt von Brasilien und Venezuela betreiben weiterhin eine Isolationspolitik gegenüber der neuen honduranischen Regierung.

    Eine besondere Rolle in diesem Konflikt spielt die FDP und insbesondere die ihr nahe stehende „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ (FNS). Die Stiftung hat schon seit langem intensive Kontakte zu den konservativ-liberalen Kräften in Honduras, die verantwortlich sind für den Staatsputsch. Direkt nach dem Staatsstreich veröffentlichte der FNS-Regionaldirektor Christian Lüth einen „Bericht aus aktuellem Anlass“, der den Titel trägt „Mehr Täter als Opfer“. Zelaya wird hierin vorgeworfen, selbst Schuld an der Situation zu sein: „Seit Monaten provozierte der Präsident die Legislative und die staatlichen Institutionen …“. Die Putschist_innen, hätten, so der Bericht „keine andere Wahl“ gehabt. Obwohl der Staatsstreich beim Großteil der internationalen Gemeinschaft auf klare Kritik stoß, nannte ihn die FNS eine „Rückkehr zu Rechtsstaat und zu Verfassungsmäßigkeit“. Auch lud die FNS verschiedene Vertreter_innen des Putsches zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Inzwischen hat sich Lüth von seinen anfänglichen Aussagen aber distanziert. Der tageszeitung teilte er im November mit „Es gab schwarze Monate.“ und forderte sogar die Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Zelaya. Die Diskussionsveranstaltung verteidigte er aber weiterhin mit der Aussage „Wir haben ein Meinungsspektrum wiedergegeben, das ungewöhnlich war.“.

    Anlässlich dieser Ungerechtigkeiten und Missstände hat die Berliner Gruppe Honduras-Koordination zu einer Kundgebung für den 26.1. vor dem Auswärtigen Amt aufgerufen. Im Anschluss hieran marschiert das Berliner „Queere Bündnis Walter Tróchez“ zu einer eigenen Demo vor der FDP-Bundesgeschäftsstelle . Die Forderungen des Bündnisses sind eine Unterstützung der honduranischen Menschenrechtsaktivist_innen und LSBT, keine Anerkennung der Präsidentschaftswahlen vom November 2009, eine sofortige Aufklärung der seit dem 28.6.2009 in Honduras verübten Verbrechen sowie eine Beendigung der Zusammenarbeit von FDP und NFS mit den Putschist_innen und ihren Verbündeten.

  • von kalten wintertagen und schwulen artikeln

    ihr kennt das warscheinlich auch,  jeden morgen wenn man aus dem haus geht kommt es einem so vor als würden einem die polypen in der nase abfrieren, sollte man es wagen einmal die eisige luft des diesjährigen januars durch den riechrüssel einzuatmen.

    da hilft eigntlich nur eines sich zu hause zu verkriechen, die fenster mit teppichen abzudichten und kerzen aufzustellen. die geben einem wenigstens das gefühl von wärme.

    genau dies habe ich auch vor ca. 2 wochen getan und habe im inetrnet einen ganz tollen artikel in der süddeutschen zeitung über das schwulsein und das bild welches von homosexuellen im speziellen schwulen in den medien zur zeit propagiert wird gelesen. der link zu dem artikel „gemachte männer“: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/32151

    ich finde den artikel ganz gut und meiner meinung nach enthält er viele probleme welche  jungen schwulen als auch erwachsenen begegnen.

    wie seht ihr den die problematik, sich als schwul auf der arbeit zu outen, oder den ewigen vorurteilen ausgetzt zu sein? mit vorurteilen meine ich auch, dass ein schwuler die bessere beste freundin einer frau ist, kreativer ist,…

    ich denke auf jeden fall darüber nach teile dieser problematik, bezüglich wie der schwule in den medien dargestellt wird oder im umfeld der arbeit sich behaupten muss demnächst mal in der jugengruppe einen abend mal zu diskutieren.

    datum für diesen abend wird bald hier auf unseren blog bekannt gegeben.

    ansonsten wünsch ich euch noch schöne auch wenn kalte tage.

    ein paar tipps noch zum ende:

    – paprika hat mehr vitamin C als eine zitrone

    – sauna gehen ist zu dieser jahreszeit sehr gesund

    und zuletzt ein neun mal kluger spruch: an apple a day keeps the doctor away!

    michael

  • GayNow-Artikel: Anders leben – Schwarzer Kanal

    Eine grüne Wohnsiedlung in der Großstadt, ein Wagenplatz mit dem Anspruch, dass alle gleichberechtigt miteinander leben und zusammen ihre eigene Vorstellung von Gesellschaft ausleben, dies ist der Schwarzen Kanal, ein queer-alternativer Wagenplatz am Spreeufer, den knapp 25 Lesben, Schwulen, Transgender und Queers ihr zu Hause nennen. Abseits von gesellschaftlichen Zwängen wollen sie eine alternative Lebensweise darstellen. Die Wagenburg ist selbstorganisiert und versucht weitestgehend, alle Aufgaben gemeinsam zu besprechen und zu bewältigen. Hierdurch kommt für viele das Gefühl auf, als lebe man in einem gemeinschaftlichen und sozialen Dorf, und das mitten in der Großstadt. Die Großstadthektik und der ökonomische Arbeitszwang sollen hier nicht von Bedeutung sein. Zwar ist die Mehrheit der Bewohner_innen berufstätig, allerdings erleichtert ihr sparsamer Lebensstil ihnen die finanzielle Situation erheblich.

    Das Wort queer ist für sie mehr als nur ein grober Sammelbegriff von verschiedenen Minderheiten. Es ist eine Selbstdefinition, mit der sie ihre Ablehnung zu den stereotypen Geschlechter- und Gesellschaftsklischees darstellen. Jede_r  schafft sich hier seine_ihre eigene Identität, ein eigenständiges Bild von Geschlecht, Sexualität und Freiheit.

    Woher der Name Schwarze Kanal kommt, kann heute nach knapp zwei Jahrzehnten keine_r mehr so wirklich sagen. Man schätzt, dass das Projekt entweder nach dem dunklen Wasser der Spree oder nach der damaligen Polit-DDR-Sendung benannt wurde.

    Auf dem Gelände, dass nahe der Jannowitzbrücke liegt, sind über 30 Kleinbusse, Hütten, Bauwagen und andere selbstgebastelte Unterkünfte, in denen die Bewohner_innen hausen und leben. Neben einer alten Textilfabrik gelegen, hat sich an diesem Ort ein kleines grünes Biotop mitten im Herzen Berlins entwickelt. Allerdings hat der Wohnraum auch seine Nachteile, warmes Wasser gibt es ebenso wenig wie Strom, aber damit gehen die Bewohner_innen gelassen um. Die zugewucherte Bauwagensiedlung mit direktem Blick zur Spree ist für die queere Szene Berlins ein zentraler Treffpunkt. Der Schwarze Kanal, der gleichzeitig ein eingetragener Verein ist, veranstaltet auf dem Gelände Konzerte, „Soli-Parties“, Openairkinos und Kleinkunstshows. Zu den Veranstaltungen kommen bis zu 500 Leute am Abend. Alle 2 Wochen gibt es sogenannte Volxküchen, zu denen Nachbar_innen und Besucher_innen zum Essen eingeladen sind, gegen einen geringen Unkostenbeitrag können hier alle lecker und vegan essen.

    Das inzwischen 19-jährige Wohnprojekt hat seinen Anfang am Südufer der Spree an der  Schillingbrücke. Hier haben 1990 ca. 20 Menschen eine Wagenburg gegründet. Das zur damaligen Zeit unbenutzte Gelände gehörte dem Bauunternehmen Hochtief. Als auf der Fläche die heutige Verdi-Bundeszentrale gebaut werden sollte, mussten die Bewohner_innen weichen, und haben ihren jetzigen Platz als Ausweichmöglichkeit bekommen. Doch auch auf dem heutigen Gelände soll wieder gebaut werden, dieses mal ein Bürogebäude für die Tochtergesellschaft des Unternehmens. Vor 7 Jahren kaufte die Firma das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, mit der Vertragsauflage, das Grundstück bis spätestens 2010 zu bebauen, sonst drohen Hochtief enorme Strafzahlungen. Als Alternativgrundstück bot das Unternehmen den Bewohner_innen des Schwarzen Kanals bis vor kurzem nur Flächen am Berliner Stadtrand an. Allerdings meinen die Bewohner_innen, würde es das linksalternative Wohn- und Kulturprojekt es dort nicht unbedingt leicht haben. Sie wollen nicht dem Risiko von rechtsradikalen Übergriffen ausgesetzt sein, den sie am Berliner Stadtrand durchaus hätten. Und dies nicht ohne Begründung, andere Berliner Wohnprojekte, die näher an Gegenden wohnen, wo sich Neonazis hintrauen, haben bereits einige Erfahrungen mit gewalttätigen Neonazi-Angriffen gemacht. Die Menschen vom Schwarzen Kanal fordern vom Unternehmen eine vergleichbare standortnahe Fläche. Diese besitzt Hochtief nach eigenen Angaben aber nicht. Zudem ist der Schwarze Kanal schon einmal umgezogen, und noch einmal, sagen einige der dort Lebenden, wollen sie sich nicht vertreiben lassen. Es geht ihnen außerdem auch um die Symbolwirkung des Projektes, mitten im Herzen der Stadt, ein Beispiel für eine soziale und ökologische Alternative.

    Der Aspekt der Stadtentwicklung ist dem alternativen Wohnprojekt von besonderer Bedeutung. Immerhin wirkt sich die Gentrifizierung  in Berlin immer stärker aus. Projekte wie Mediaspree, die auf eine systematische Aufwertung der dortigen Infrastruktur, und damit verbunden auch der Wohnungsflächen, abzielen, führen dazu, dass kulturell benutzte Freiflächen und Bauwagensiedlungen keinerlei Platz mehr haben und aus dem Stadtbild verschwinden. Das Motto „Berlin soll chicer werden“ teilen aber nun mal nicht alle. Projekte wie der Schwarze Kanal versuchen hiergegen politisch anzukämpfen und zu mobilisieren. Nach dem Mauerfall Anfang der Neunziger waren enorm viele Wohnungen und Flächen in Berlin unbenutzt und niemand störte sich daran, dass einige dieser Räume in Anspruch nahmen und sinnvoll benutzen wollten. In diesen Freiräumen haben sich kulturelle und soziale Projekte entwickelt, die nun an vielen Stellen Berlins verdrängt werden sollen.

    Um ihre missliche Lage auf die politische Agenda der Kommunalpolitik zu setzen und auch um mehr Sympathisierende zu mobilisieren, hat der Schwarze Kanal die Queer&Rebel Wagentage vom 21. bis 25. Oktober veranstaltet. Ein umfangreiches Programm aus Workshops, Brunches, Kinoabenden und einer abschließenden Demonstration wurde veranstaltet. An der Demo, die am 24.10.09 stattfand, nahmen ca. 600 Menschen teil. Sie verlief vom S-Bahnhof Warschauer Straße durch Kreuzberg bis zur Köpenicker Straße in Mitte und war auch eine Solidaritätsbekundung für andere bedrohte Berliner Wohn- und Kulturprojekte.

    Verhandlungen am Runden Tisch gibt es zwar schon lange zwischen den Vertreter_innen des Schwarzen Kanals, Hochtief und den Bezirksvertreter_innen, allerdings kamen diese lange Zeit nicht voran. Stets wurde behauptet, freie Grundstücke gebe es nur außerhalb des Stadtrings. Um ihrer prekären Situation Gehör zu verschaffen, und zu zeigen, dass es auch in Mitte freie Ersatzgrundstücke gibt, haben die Bewohner_innen einen Tag vor der Demonstration zusammen mit anderen Aktivist_innen und insgesamt ca. 60 Leuten ein leerstehendes Schulgebäude in der Adalbertstraße besetzt. Sie kamen mit dem Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds in Verhandlungen und vereinbarten, dass sie das Gelände bis zum Mittag des 25.10.09 wieder verlassen. Dies ist für Berliner Verhältnisse eigentlich untypisch, da nach der sogenannten „Berliner Linie“ besetzte Gebäude innerhalb von 24 Stunden von der Polizei geräumt werden.

    Nachdem die Aktivist_innen den öffentlichen Druck verstärkt haben, gab es am 25.10.09 eine erneute Verhandlungsrunde, bei der dieses mal der Berliner Liegenschaftsfond sechs Grundstücke innerhalb des S-Bahn-Ringes anbot. Die Unterstützer_innen des Schwarzen Kanals sind zuvor mit mehreren Wagen vor den Verhandlungsort gezogen, um Druck auszuüben und ein Zeichen zu setzen. Als die Nachricht der neuen Angebote sie erreichte, kam spontaner Applaus auf. Doch von einem Erfolg möchten die Bewohner_innen erst sprechen, wenn ein konkreter Vertrag abgeschlossen ist. Die Gespräche werden fortgesetzt, wie es konkret weiter geht, ist nicht abzusehen.

  • GayNow-Artikel: Welt-Aids-Tag

    Am 1. Dezember ist internationaler Welt-Aids-Tag, an diesem Tag wird auf das immer noch wichtige Thema HIV/Aids aufmerksam gemacht. Zwar ist die Thematik in den Köpfen vieler nicht besonders präsent, dabei hat HIV/Aids nichts an seiner Aktualität verloren. Die Zahl der Neu-Diagnosen ebenso wie die schwierige Situation der Infizierten hat sich nicht verbessert. In Deutschland sterben 2 Menschen am Tag an den Folgen der Immunschwäche. Laut der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) stagnieren die Zahlen der HIV-Neuinfektionen weiterhin auf hohem Niveau. Allerdings ist gerade in Berlin ein deutlicher Anstieg der Neuinfektionen bei MSM (Männer die Sex mit Männern haben) zu verzeichnen. Von 2007 bis 2008 liegt die Steigerung bei 7% in dieser Gruppe. Das Robert-Koch-Institut sieht hierfür die steigende Verbreitung der Syphilis in Berlin als Hauptursache. In Berlin stieg die Anzahl der gemeldeten Syphilis-Fälle im gleichen Zeitraum um 46%. Syphilis, ebenso wie weitere sexuell übertragbare Krankheiten, verstärkt das Risiko einer HIV-Übertragung enorm.

    Um auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen wird es viele Veranstaltungen und Aktionen, anlässlich dieses speziellen Tages geben. Beispielsweise veranstaltet die Berliner Aids-Hilfe eine Gala unter dem Titel „Künstler gegen Aids“. Auf der Benefizgala wird auf die Thematik aufmerksam gemacht und verschiedene Künstler_innen , die sich in diesem Bereich engagieren, präsentieren hier ihre Arbeit. Die Initiatoren des Welt-Aids-Tages rufen dazu auf, Solidarität zu zeigen, und selber Aktionen zu starten oder mitzumachen. Die Message lautet: Jede_r kann sich beteiligen, über konkrete Aktionen, Spenden oder über eine Solidaritätsbekundung als Botschafter_in auf der deutschen Homepage des Welt-Aids-Tages. Hier kann man einen Kommentar abgeben und ein Bild dazu hochzuladen. Mehr als 9000 Menschen haben dies bereits getan. Des weiteren wird am 28. November eine Rote-Schleifen-Aktion veranstaltet, bei dem ehrenamtliche Engagierte Schleifen verteilen und dabei Spenden sammeln. Möglichkeiten der Zivilcourage gibt es also viele.

    Der Welt-Aids-Tag wurde 1988 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen ins Leben gerufen und durchgeführt. Ziel war ein Aufruf an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Solidarität mit den HIV/Aids-Kranken zu zeigen, sowie stärker gegen die HIV-Pandemie vorzugehen. Inzwischen organisiert die UNAIDS (Joint United Nations Programme on HIV/AIDS) den Welt-Aids-Tag, der jedes Jahr am 1. Dezember stattfindet. Das internationale Welt-Aids-Tag-Motto lautet für 2005-2010 „Stop Aids – keep the promise“, dies ist eine Erinnerung an die UN-Sondersitzung 2001, bei dem die Staats- und Regierungschefs das Versprechen gegeben haben, vehementer gegen HIV/Aids zu kämpfen. Die deutschen Initiatoren des Welt-Aids-Tages, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) und die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS), haben das Motto in
    „Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung – für uns selbst und andere“ übersetzt. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass das Thema nicht nur für Politiker_innen und Interessensvertreter_innen wichtig ist, sondern alle etwas angeht. Ihre Aussage ist, dass der Kampf gegen HIV/Aids nicht ohne Zivilcourage gewonnen werden kann.

    Wer mehr zu dem Thema wissen möchte oder wer selbst aktiv werden möchte, findet hier sinnvolle Links zum weiterlesen:

    http://www.gib-aids-keine-chance.de/
    http://www.berlin-aidshilfe.de/aktuell/rote-schleifen-fuer-berlin.html
    http://www.weltaidstag.eu/
    http://www.weltaidstag.info/

  • GayNow-Artikel: GayRomeo

    GayRomeo – der blaue Himmel?!

    GR, die blauen Seiten oder das schwule Einwohnermeldeverzeichnis, das weltweit größte deutschsprachige Internetportal für Schwule hat viele Namen. Kein Wunder, immerhin hat GayRomeo die schwule Szene so stark geprägt, wie kaum ein anderes Kommunikationsmedium. Das dies sowohl positive als auch negative Seiten hat, ist leider nicht allen bewusst.

    GayRomeo hat weitreichende Auswirkungen auf das soziale Leben der schwulen Szene, sowie  natürlich auch direkt auf die User. Immerhin wird beispielsweise heutzutage nicht mehr nach der Telefonnummer, sondern nur noch nach dem GR-Namen gefragt, wenn man sich in einer Bar mal eben kennen gelernt hat. Die Schwelle sich daraufhin zu melden ist für viele im Internet deutlich niedriger als  jemanden direkt anzurufen. Zudem ist man im Internet ja versteckt, oder zumindest fühlt sich dementsprechend.

    Dies steht allerdings im krassen Kontrast zu der Offenheit mit der viele User mit GayRomeo umgehen. Immerhin hat man hier die Möglichkeit sein gesamtes Intimleben zu veröffentlichen. Ob Religionszugehörigkeit, Schwanzgröße oder Vorlieben. GayRomeo lädt geradezu dazu ein, der Öffentlichkeit alles mitzuteilen. Welche individuellen Folgen hieraus entstehen können, wird auf dem Internetportal leider wenig thematisiert. Denn obwohl die meisten hierüber nie nachdenken, können alle Daten selbstverständlich auch jederzeit missbraucht werden.

    Jede_r kann sich bei GayRomeo einloggen

    , deine Nachbarin, dein bester Kumpel oder auch deine Mutter. Theoretisch haben alle Zugriff. Dies birgt natürlich ein Risiko, gerade für Menschen die in der Öffentlichekit stehen, ebenso für Menschen die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Besonders Lehrer sind hier in einer prekären Situation. Stößt ein Schüler zufällig auf das Profil eines Lehrers, so hat der Schüler zumeist eine bestimmte Machtposition, insbesondere wenn der Lehrer nicht in der Schule geoutet wird. Und umso mehr, wenn der Lehrer hier recht offenkundig mit seinen intimen Fotos und Vorlieben umgeht. Das Schüler GayRomeo gegen ihre Lehrer missbrauchen ist schon mehrmals vorgekommen. Teilweise musste sogar die Schulleitung oder eine noch höhere Ebene einschreiten.

    Aber nicht nur Lehrer setzen sich einer Gefahr aus bei dieser offenherzigen Preisgabe der privatesten Informationen. Im Prinzip tut dies jeder. Man sollte sich darüber bewusst sein, dass es Unternehmen gibt, die systematisch das gesamte Internet quasi abspeichern. Alles was einmal online war, wird für immer auf diesen Firmenservern sein. Es gibt heutzutage kaum Menschen, die keinerlei Datenspuren im Internet hinterlassen haben.

    Ob Fotos, Kontaktadressen oder sogar private Mitteilungen. Nach diesem Prinzip können Firmen ein ganzes Datenprofil des Individuums bilden. Durch dieses Profil lassen sich oft Verlinkungen zu verschiedenen Internetportalen machen, unter anderem auch zu GayRomeo, obwohl der persönliche Name nicht im Profil veröffentlicht wurde.

    Theoretisch ist es daher durchaus möglich, dass Unternehmen nach Bewerbungsgesprächen sich erst einmal erkundigen ob der Bewerber ein GR-Profil besitzt, das daraufhin natürlich gründlich untersucht wird. Wenn man dann auch noch intimste Daten im Profil angegeben hat, erhöht dies die Chancen beim Unternehmen natürlich nicht gerade.

    Dies ist der Grund weshalb die taz ihren Artikel über GayRomeo:

    „Gefährlich hoher Dating-Faktor“

    mit „Die rosa Listen sind wieder da.“ begann.
    Zwar ist diese Gleichstellung mit dem Schwulen-Verzeichnis der Nazis eine klare Übertreibung, es lassen sich aber durchaus einige Parallelen ziehen, inwiefern die Daten des Einzelnen jedem_jeder und damit auch dem Staat zugänglich sind. Die Datenschutzebene ist nur eine von verschiedenen kritischen Seiten von GayRomeo.

    Eine weitere ist die des sozialen Umgangs miteinander.
    Die systematische Katalogisierung genauester Körperdaten, sozialer Charakteristika sowie sexueller Vorlieben hat natürlich Auswirkungen auf die Art und Weise wie die User miteinander umgehen. Die Suchfunktion ermöglicht das Finden eines schlanken, europäischen, blonden, unbehaarten, blauäugigen, schwulen Mannes im Alter von 18 Jahren der gerne fistet und einen unbeschnittenen Schwanz hat (dies ist die gekürzte Version der Detail-Suche bei der stets die erste Wahlmöglichkeit genommen wurde). Diese Schubladensuche verleitet natürlich auch zu einem Schubladenverhalten bei den GR-Usern. Eines der beliebtesten Merkmale von GR-Profilen ist die Aufzählung von Typen von Menschen oder Charakteristika die der User nicht mag, im Extremfall lassen sich dann solche Kommentare finden wie:

    „Bitte keine tuckigen Weiber!“

    oder auch „Türken brauchen ´s bei mir gar nicht erst zu versuchen!“. Die Offenherzigkeit mit der Viele mit GayRomeo umgehen bringt auch die Rassismen, Sexismen und anderen Diskriminierungsformen zu Tage.

    Auf individueller Ebene ist GayRomeo bei manchen zum ausschließlichen Kontaktmedium geworden. Man lernt neue Leute nicht mehr auf der Straße, sondern nur noch per Profil kennen. Psycholog_innen  berichteten mehrfach von Menschen die eine tatsächliche GayRomeo-Abhängigkeit entwickelt haben. Diese müssen mit langer Therapie erst wieder die normale soziale Kontaktpflege erlernen und ihren Umgang mit dem Medium GayRomeo natürlich stark überdenken. Dies sind selbstverständlich Extremfälle, aber auch auf die breite Masse hat diese Änderung des sozialen Umgangs massive Folgen.

    Dies zeigt sich vor allem an der Infrastruktur der Szene.
    Seit dem Aufkommen des Internets und mit ihm GayRomeo berichten viele schwule Bars, Cafes und ehrenamtliche Einrichtungen von einer Abnahme der Kundschaft beziehungsweise dem Ausbleiben von Menschen die die sozialen Treffpunkte nutzen. In einigen deutschen Städten gab es in den 80er und 90er Jahren deutlich mehr engagierte Gruppen und Vereine als heutzutage. Junge Schwule treffen sich nicht mehr in der Jugendgruppe, sondern bei GayRomeo. Dies scheint absurd, angesichts der Tatsache, dass sich zur selben Zeit so viele über eben dieses Internetportal beschweren.

    Gerade schwule Jugendliche kritisieren hier oftmals die reine Fixierung auf Sex.

    Sie haben noch keinerlei Erfahrung mit der schwulen Welt, dies kann dazu führen, dass einige denken, One-Night-Stands über das Internet zu bekommen, sei die einzige Möglichkeit ihre schwule Identität auszuleben.

    Ein weiterer Punkt bei der kritischen Auseinandersetzung mit GayRomeo ist der häufig auftretende soziale Ausschluss von Nicht-Schwulen. Wenn man ständig vor den blauen Seiten hängt, wird es unwahrscheinlich sein, dass man auch mal etwas mit der Hetero-Welt, geschweige denn Frauen zu tun hat. Das Leben der Mehrheit der Menschen bekommen diese User praktisch nicht mehr mit.

    Ich rufe hiermit nicht zum Boykott von GayRomeo auf, ich möchte viel eher ein kritisches Nachdenken anregen. GayRomeo hat auch für viele positive Erneuerungen gebracht. Schwule auf dem Land hatten bisher nie die Möglichkeit zu sehen, ob es nicht vielleicht im eigenen Dorf weitere Schwule gibt. Das schwule Internetportal „Du bist nicht allein“ beschreibt dies sehr treffend. Aber auch eigentlich schüchterne Menschen bekommen über das Chatportal die Möglichkeit andere anzusprechen und kennen zu lernen. Wo sie sich früher nicht trauten, haben sie nun die Möglichkeit ohne Scham an Andere heranzutreten. Diese Niedrigschwelligkeit ist für viele der Hauptgrund, weswegen sie über GayRomeo neue Kontakte suchen.

    Es zeigt sich, dass GayRomeo sehr vielschichtig ist, diese Ambivalenz wird aber von vielen nicht wirklich wahrgenommen.

    Bei all den Veränderungen die GayRomeo mit sich bringt, sollte man sich selbst, als Mitglied der schwulen Szene, durchaus einmal fragen, in welche Richtung sich die Szene hierdurch eigentlich entwickelt. Vermutlich würde bereits dieses kritische Hinterfragen einen positiven Wechsel im Umgang mit diesem Medium bringen.

    Von StSi

  • Zu den Antworten der Parteien auf die Wahlprüfsteine der AG Jugend

    In der August-Ausgabe der „gaynow“ wurden die Wahlprüfsteine der AG Jugend von Mann-O-Meter veröffentlicht (zu finden sind sie auch auf unserer Homepage: https://www.jungschwuppen.de/wp/2009/08/11/wahlprufsteine-bundestagswahl-2009/ ). Inzwischen (dieser Artikel entsteht kurz vor der Bundestagswahl) haben in der Reihenfolge des Eingangs "Die Violetten", "Die Linke", die GRÜNEN, die CDU, die FDP und die SPD geantwortet.

    Wenn man die Antworten miteinander vergleicht, dann fällt vor allen Dingen eines auf, dass Fragen, die sich explizit mit jungen Schwulen beschäftigen, gern runtergebrochen werden auf gesamtgesellschaftliche Fragestellungen. Uns war es aber ein Anliegen, die Situation junger Schwuler in dieser Gesellschaft zu thematisieren, da sie sich in einer besonderen Lage befinden, die gern außer Acht gelassen wird. Von vielen Seiten wird thematisiert, dass die Situation junger Schwuler nicht mehr so problematisch sei, wie sie es noch vor Jahren war. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die Gesellschaft gravierend verändert habe und gesetzlicher Schutz vor Diskriminierung Abhilfe schaffe. Leider ist dem nicht so. Junge Schwule haben weiterhin in vielen Lebenszusammenhängen immer noch keine Lobby. Auch wenn manches Elternhaus noch nicht aus den Wolken fällt, wenn ihr Sohn sich outet, so können die meisten nicht mit Unterstützung durch ihre Eltern in Konfliktlagen rechnen. Die Schule ist ebenso weiterhin ein Ort, der für junge Schwule viele Probleme darstellen kann, ebenso wie manche Jugendeinrichtungen. Zudem wird von vielen Jugendämtern und der Jugendhilfe weiterhin eine gesonderte Problematik junger Schwuler nicht berücksichtigt.
    In den Antworten der Parteien finden sich aber meist nur Aussagen zu geschlechtsspezifischen Angeboten. Das ist für einen jungen Schwulen wenig hilfreich, wenn er sich in einer "Jungengruppe" wiederfindet und zu seiner Lebenslage reden sollte.
    Generell ist es erfreulich, dass beinahe alle Parteien (die Violetten erklärten eine gewisse Hilflosigkeit im Zusammenhang mit der Thematisierung von Homosexualität) eine Berücksichtigung der sexuellen Orientierung, sowohl in der Jugendhilfe als auch beim der Gleichstellung begrüßen. Natürlich kommt es hierbei zu feinen jeweiligen Abweichungen. Besonders tritt dies bei der Frage nach der Gleichstellung der Homoehe mit der "Heteroehe" zu Tage. Die Linke, die Grünen und die FDP befürworten eine vollständige Gleichstellung, die CDU spricht sich dagegen aus und die SPD windet sich.
    Noch interessanter aus unserer Sicht wird es im Zusammenhang mit der kostenlosen Abgabe von Kondomen an männliche Jugendliche. Zum einen wird auf Einrichtungen verwiesen (leider auch auf Kneipen und Bars, die von diesen Jugendlichen gar nicht besucht werden können), die im Gesundheitswesen tätig sind und die teilweise kostenlos Kondome abgeben. Hier wird aber unterschätzt, wie schwer der Zugang für junge Männer zu diesen Einrichtungen ist. Die FDP verweist auf den geringen Preis von Kondomen, nur die SPD setzt sich für eine niedrigschwellige kostenlose Abgabe von Kondomen ein. Wir sind der Meinung, dass es sowohl in der Jugendarbeit als auch in der Schule möglich sein sollte, Kondome zu erhalten, wenn man sowohl frühe Schwangerschaften als auch die Verbreitung von STDs verhindern möchte. Gerade wenn Kondome so preiswert sind, stellt sich die Frage, weshalb solch ein Schritt nicht vollzogen wird.
    Auch die finanzielle Ausstattung der HIV-Prävention lässt vielfältige Rückschlüsse zu. Die Linke spricht von einer "auskömmlichen Finanzierung", was auch immer dies bedeuten mag, die CDU äußert sich nicht zu dieser Frage, die FDP spricht von einer "sicheren finanziellen Grundlage" für Präventionskampagnen, die SPD verweist auf den erhöhten jährlichen Etat 13,2 Millionen (bei 80 Millionen BürgerInnen) und die Grünen verlangen immerhin eine Umschichtung der Finanzen auf die hauptsächlich betroffenen Gruppen bei HIV-Neuinfektionen. Insgesamt lässt sich ausmachen, dass gerade bei der HIV-Prävention von allen lieber auf große Kampagnen gesetzt wird (sicherlich auch ein wichtiges Instrument), denn auf ein umfassendes Angebot von Beratung und Vorort-Arbeit. In diesem Zusammenhang kollidieren sicherlich die Aufgaben des Bundes mit denen der Länder, doch der Bund kann sehr wohl Vorgaben in der Gesundheitspolitik machen. So wäre es ein leichtes, Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung der Finanzierung von Prävention durch die Krankenkassen zu nehmen.

    Insgesamt waren schon im Vorfeld keine großen Schwüre und Versprechungen zu erwarten gewesen. Jedoch zeigt sich einmal mehr, dass es, wenn es um die Finanzierung, sowohl schwuler Jugendarbeit, die Anerkennung der weiterhin schwierigen Lage junger Schwuler und die Finanzierung einer umfassenden, subjektorientierten HIV-Prävention geht, eigentlich keine Veränderung zu erwarten ist, ganz gleich, wer die Wahl gewinnt. Der Eindruck, dass Homosexualität und HIV weiterhin eher als Randerscheinungen und nicht als gesellschaftlich wichtige Aspekte betrachtet werden, verstärkt sich. Hervorzuheben ist die Antwort der Grünen, die einen sehr kompetenten und differenzierten Eindruck hinterließ. Aber zufrieden kann man mit dem Gesamt der Aussagen nicht sein. Es gibt noch viel zu tun, um eine fürsorgliche Gesellschaft erleben zu können. Alle Antworten der Parteien können ausführlich auf unserer Homepage https://www.jungschwuppen.de/ nachgelesen werden.

  • Antwort der SDP – Wahlprüfsteine

    unveränderte Antwort der SPD im Namen von Kajo Wasserhövel:

    Aufklärung

    1. Wie wichtig erachten Sie die Sexualaufklärung an Schulen, die sich
    ausführlich mit Toleranz gegenüber jedweder sexueller Orientierung, mit
    Coming Out und mit Mobbing gegenüber Jugendlichen beschäftigt?

    Wir wollen eine Schule, in der man ohne Angst verschieden sein kann und in der Toleranz gelernt und gelebt wird. Grundlage hierfür ist ein ganzheitlicher Bildungsansatz, der die Normalität und die Vielfalt des Zusammenlebens vermittelt. Die Thematik der unterschiedlichen sexuellen Identitäten muss sich im Fächerkanon der unterschiedlichen Schulformen wieder finden und darf nicht nur im Rahmen der AIDS- oder Gesundheitsaufklärung thematisiert werden.

    In allen Bildungseinrichtungen müssen qualifizierte und kompetente Vertrauenspersonen für Lernende und Lehrende zur Verfügung stehen, die bei Problemen und Fällen von Diskriminierung weiterhelfen können. Wir wollen in und außerhalb der Schule jede Art von Diskriminierung, ob wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität, bekämpfen.

    finanzielle Ausstattung

    2. Wie wichtig ist Ihnen eine bessere finanzielle Ausstattung der
    Bundeszentrale füir gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und in diesem
    Zusammenhang der Deutschen Aidshilfe (DAH)?

    Der Bundesregierung ist die HIV-Prävention ein sehr wichtiges Anliegen. Angesichts der steigenden HIV-Neuinfektionen haben wir die Ausgaben für die HIV-Prävention seit 2007 um 4 Mio. jährlich auf nunmehr 13,2 Mio Euro (2009) erhöht. Mit diesen Mitteln wird die Arbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Deutschen Aidshilfe durch das BMG maßgeblich finanziert. (Die BZgA erhält zusätzlich Mittel der PKV, die DAH erhält zusätzlich Spenden und verfügt über Eigenmittel.)

    HIV

    3. Welche weiterführenden Schritte unternehmen Sie, um die
    Neuinfektionsraten mit HIV bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), zu senken?

    Die Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) ist die derzeit wichtigste Zielgruppe der deutschen HIV-Prävention. Die Bundesregierung hat sich im Aktionsplan der Bundesregierung verpflichtet, die HIV-Prävention für die Gruppe der MSM zu stärken. Die DAH wurde durch die BZgA beauftragt, eine zielgruppenspezifische Kampagne für die Gruppe der MSM auszuarbeiten. Die Kampagne „Ich Weiss Was Ich Tu“ www.iwwit.de ist im letzten Jahr gestartet und soll zunächst bis 2010 laufen. Sie wird wissenschaftlich begleitet. Abhängig von den Ergebnissen der Kampagne wird die Bundesregierung prüfen, ob es weiterhin notwendig ist, dieses zielgruppenspezifische Konzept fortzusetzen und/oder auszubauen.

    Die HIV-Präventionsarbeit kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn sie auch auf Landes- und kommunaler Ebene angemessen finanziert wird. Einige Länder haben ihre Etats in den vergangenen Jahren (Hamburg, Niedersachsen, NRW) ebenfalls erhöht.

    Andere, wie z.B. Baden-Württemberg, leider nicht. Aber auch die Kommunen sind gefordert eine angemessene Finanzierung der regionalen Aidshilfen sicherzustellen.
    Die finanzielle Ausstattung der regionalen Aidshilfen kann die Bundesregierung nicht gesetzlich anordnen. Wir haben eine föderale Struktur in Deutschland, die im Grundgesetz festgeschrieben ist. Die Länder und Kommunen haben ihre Aufgaben in eigener Hoheit zu erfüllen und hierfür auch die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen. Die Bundesregierung wird jedoch weiterhin an die Länder- und Kommunen appellieren ihren Beitrag bei der HIV-Prävention zu leisten. Einige Länder haben im letzten Jahr die Etats ebenfalls erhöht.

    kostenlose Kondomabgabe

    4. Was halten Sie von einer kostenlosen Kondomabgabe an männliche
    Jugendliche unter 18 Jahren?

    Kondome schützen wirkungsvoll gegen eine Infizierung mit dem HI-Virus.
    Die SPD setzt sich deshalb in den Kommunen und Gemeinden, in den Ländern und im Bund dafür ein, dass es ein niederschwelliges Angebot bei der Versorgung mit Kondomen gibt. Für Männer und Frauen gleichermaßen. Vielerorts werden Kondome bereits kostenlos vergeben. Das ist auch gut so, denn wir wollen nicht, dass jemand ungeschützten Sex praktiziert, weil er kein Geld für Kondome hat. Viele Projekte und Initiativen sind hier aktiv und sorgen dafür, dass Aids keine Chance hat.

    Zudem haben wir alle in den letzten Jahren erreicht, dass eine regelrechte Entkrampfung im Umgang mit Kondomen gibt. Augenscheinlich wird dies am Warensortiment von Supermärkten, im Einzelhandel bis hin zu Tankstellen. Völlig selbstverständlich werden hier Kondome verkauft.

    Neben der kostenlosen Versorgung mit Kondomen kommt es aber auch entscheidend darauf an, dass junge Männer genau wissen, wie Kondome richtig gehandhabt werden. Die hier etwa von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) durchgeführten Kampagnen halten wir für mustergültig. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die BZgA weiterhin Mittel und Möglichkeit bekommt, ihre wichtige Arbeit fortzuführen.

    Antidiskriminierungsgesetz

    5. Was unternehmen Sie, um die Durchsetzung des
    Antidiskriminierungsgesetzes auch an Schulen im Bundesgebiet zu verankern?

    Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hat die SPD-geführte Bundesregierung erstmals gesetzlich festgelegt, dass es eine Benachteiligung aus Gründen der sexuellen Identität auch im Ausbildungsbereich nicht geben darf (§ 1 in Verbindung mit § 2 Absatz 1 Nr. 3 und Nr. 7 AGG). Geschützt werden hier Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender vor Diskriminierung im Rahmen ihrer Berufsausbildung. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Respekt und Anerkennung von Homosexuellen.

    Allerdings ist der persönliche Anwendungsbereich des Gesetzes begrenzt. Nicht alle werden vom Gesetz geschützt, sondern jeweils spezielle Situationen: Lebens und Schwule ind er Berufsausbildung und am Arbeitsplatz. Schülerinnen und Schülern bietet es keinen Schutz, das sie keine Erwähnung im Gesetz finden.

    Die SPD will den Gedanken des AGG – keine Benachteiligung aus Gründen der sexuellen Identität – für alle Bereiche und für alle Menschen festlegen. Deshalb unterstützen wir die initiative das Grundgesetz in Artikel 3 Absatz 3 entsprechend zu erweitern. Dann können sie auch lesbische und schwule Schüler auf ein echtes Benachteiligungsverbot wegen ihrer sexuellen Identität berufen

    Darüber hinaus wollen wir, dass sich noch mehr Schulen in Deutschland als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR) beteiligen. Dieses Gütesiegel bekommen Schulen nur, wenn sie sich klar gegen Diskriminierung speziell auch gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender einsetzt. Viele SPD-Politiker sind mittlerweile Paten dieser Vorzeige-Schulen.

    Suizidgefahr

    6. Wie kann man Ihrer Meinung nach, eine erhöhte Suizidgefahr bei jungen
    schwulen Männern absenken?

    Die SPD tritt dafür ein, dass in unserer Gesellschaft eine Kultur der Anerkennung herrscht. Wir wollen, dass jeder ohne Angst verschieden sein kann. Kein schwuler Jugendlicher soll Angst haben, wenn er seine sexuelle Identität entdeckt. Kein schwuler Jugendlicher soll seine Homosexualität aus lauter Angst vor seiner Umwelt verschweigen, unterdrücken und verheimlichen.

    Wie ausgeführt, wollen wir hierfür den rechtlichen Rahmen schaffen – etwa mit der Ergänzung des Gleichheitsartikels 3 Absatz 3 des Grundgesetzes, den wir um „sexuelle Identität“ erweitern wollen. Das bedeutet auch, dass wir konsequent jedwede Diskriminierung von Lesben und Schwulen unterbinden. Hier darf es nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben. Hier müssen wir den Widerstand der Konservativen endlich zur Seite schieben.

    Aber wir wissen, dass wir mit Gesetzen und Verordnungen Impulsen setzen, die letztendlich von der Gesellschaft aufgenommen werden müssen, um die nötige Bewegung für die Sache der Lesben, Schwulen, Transgender und Bisexuellen auf den Weg zu bringen. Die SPD wird weiter dafür streiten, dass die erforderlichen Impulse gesetzt werden und die nötige Bewegung in Gang kommt bzw. in Gang bleibt.

    Essstörungen

    7. Was gedenken Sie, in Bezug auf Essstörungen bei jungen Männern zu
    unternehmen?

    Essstörungen betreffen alle Menschen. Aufklärung ist das A und O. Bestehende Gesundheitskampagnen sollten evaluiert und intensiviert werden. Hierüber sollte ebenso in den Schulen diskutiert werden.

    homosexuelle/heterosexuelle Menschen

    8. Was tut Ihre Partei für die Gleichstellung von homosexuellen Menschen mit heterosexuellen Menschen?

    Die SPD tritt für die rechtliche Gleichstellung ein. Aber wir wissen, dass dies allein nicht ausreichend ist. Ebenso wichtig ist eine lebendige Kultur der Anerkennung und des Respekts in unserer Gesellschaft, in der man ohne Angst verschieden sein kann. Wir treten ein für ein offenes und tolerantes gesellschaftliches Klima, in dem Menschen ihre persönliche – hetero- wie homosexuelle – Entwicklung in Schule, Beruf, Alltagsleben erleben können.

    Wir werden den Respekt gegenüber Homo-, Bisexuellen und Transgender fördern und Vorurteile in der Gesellschaft abbauen. Den von uns beschrittenen Weg der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften werden wir konsequent weiter gehen. Auf Bundesebene konnten wir in der großen Koalition das Erbschaftsrecht für lesbische und schwule Paare modernisieren.

    Endlich werden hier Lebenspartner nicht mehr wie Fremde behandelt, sondern haben die gleichen Freibeträge wie Eheleute. Auch die Regelungen, die 2000 an der konservativen Bundesratsmehrheit gescheiterte sind (siehe Lebenspartnerschaftsergänzungsgesetz), werden wir weiter verfolgen. Unser Ziel ist es, das Institut der eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe gleichzustellen und bestehende Benachteiligungen abzuschaffen. Wir meinen, wer die gleichen Pflichten hat wie Eheleute, soll auch die gleichen Rechte haben.

    Gewalt und Diskriminierung gegen Lesben und Schwule müssen wirksam bekämpft werden. Wir sehen den Anstieg homophober Tendenzen – nicht nur bei Jugendlichen – mit großer Sorge. Deshalb werden wir den Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus auf die Bereiche Homophobie und antihomosexuelle Gewalt ausweiten.

    finanzielle Ausstattung aller HIV-präventiv arbeitenden Einrichtungen

    9. Die finanzielle Ausstattung aller HIV-präventiv arbeitenden Einrichtungen in Deutschland ist schlecht. Möchten Sie dies in der nächsten Legislaturperiode ändern?

    siehe Antwort zu Frage 3

    homosexuelle Menschen in Jugendarbeit

    10. Wieweit setzen Sie sich für die Berücksichtigung der besonderen Lebenslage junger homosexueller Menschen in Jugendarbeit und Jugendhilfe ein?

    Die SPD hat sich für die Förderung geschlechtsspezifische Angebote der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Kinder- und Jugendhilfe nach dem Kinder- und Jugendplan des Bundes eingesetzt, um die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen und Benachteiligungen abzubauen. Diese Förderung im Rahmen der Mittel des Bundesjugendministeriums werden wir fortsetzen.

  • Antwort der FDP – Wahlprüfsteine

    Sehr geehrte Herren,

    haben Sie vielen Dank für ihr Schreiben vom 21. Juli 2009, auf das ich Ihnen sehr gerne für die FDP antworten möchte.

    Aufklärung

    1. Wie wichtig erachten Sie die Sexualaufklärung an Schulen, die sich
    ausführlich mit Toleranz gegenüber jedweder sexueller Orientierung, mit
    Coming Out und mit Mobbing gegenüber Jugendlichen beschäftigt?

    Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen sind bei Schülern immer noch vorhanden. Schüler, die sich in der Coming Out Phase befinden, setzen sich daher oftmals der Gefahr von Diskriminierung und Anfeindungen aus. Schwule und lesbische Schüler dürfen mit ihren Problemen nicht allein gelassen werden. Homophobie an Schulen muss aktiv begegnet werden und muss in Schulen und in der Bildungspolitik als Problem wahrgenommen werden. Notwendig ist eine stärkere Sensibilisierung der Lehrer für das Thema „Homosexualität“. Der Umgang mit Homosexualität und Homophobie muss in der Lehrerausbildung als auch in den Unterrichtsmaterialien und in den Lehrplänen stärker verankert werden.

    Die FDP ist der Auffassung, dass sich die Beschäftigung mit den Werten und Normen, die unsere freiheitliche Demokratie prägen, insbesondere die gelebte Toleranz mit Blick auf Religion, Geschlecht und sexueller Orientierung, nicht auf ein singuläres Unterrichtsfach beschränken lässt, sondern vielmehr punktuell im gesamten Fächerspektrum einfließen kann und sollte. Darüber hinaus muss eine vertiefte Auseinandersetzung mit Fragen zur sexuellen Orientierung, zu Coming Out und Mobbing im Kontext des Sexualkundeunterrichts stattfinden. Die FDP hat und wird sich in diesem Zusammenhang mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Bundesländer ihrer Aufgabe nachkommen und ein entsprechendes Angebot unter Berücksichtigung der genannten Erfordernisse im Rahmen der curricularen Ausgestaltung des Unterrichts einfließen lassen.

    Die finanzielle Ausstattung aller HIV-präventiv arbeitenden Einrichtungen

    2. Wie wichtig ist Ihnen eine bessere finanzielle Ausstattung der
    Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und in diesem
    Zusammenhang der Deutschen Aidshilfe (DAH)?

    und

    9. Die finanzielle Ausstattung aller HIV-präventiv arbeitenden Einrichtungen in Deutschland ist schlecht. Möchten Sie dies in der nächsten Legislaturperiode ändern?

    Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat von Anfang an Prävention auch immer als Förderung eines Einstellungsklimas der Bevölkerung, das gegen die Stigmatisierung und Ausgrenzung HIV-Infizierter und AIDS-Kranker gerichtet ist, verstanden. Es ist daher besonders wichtig, dass Präventions- und Aufklärungskampagnen auf sichere finanzielle Grundlagen gestellt werden, damit möglichst viele Menschen erreicht werden können. Angesichts der Haushaltslage im Zuge der Wirtschaftskrise können wir keine quantifizierten Versprechungen abgeben. Die FDP setzt sich seit Jahren dafür ein, die hierfür benötigten finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Sie können sicher sein, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

    HIV

    3. Welche weiterführenden Schritte unternehmen Sie, um die
    Neuinfektionsraten mit HIV bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), zu senken?

    Im Hinblick darauf, dass Aids nach wie vor nicht heilbar ist, kommt der Prävention eine immens große Bedeutung zu. Die FDP spricht sich dafür aus, alle notwendigen Anstrengungen in dieser Hinsicht zu unternehmen, um Neuinfektionen so weit wie irgend möglich zu verhindern. Dazu gehören auch spezielle Konzepte, die Männer ansprechen, die Sex mit Männern haben. Der in der letzten Zeit zum Teil entstandene Eindruck, dass die Aids-Erkrankung gar nicht mehr so schlimm sei, ist durch die deutlich verbesserten Therapiemöglichkeiten bedingt; er trügt jedoch.

    Die DAH-Präventionskampagne leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, Aids in der heutigen Zeit mit den heutigen Lebenssituationen ein Gesicht zu geben und Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen. Das ist Voraussetzung für wirksame Prävention. Es ist wichtig, dass die Regierung hinter einem solchen Programm steht und es mitverantwortlich trägt.

    kostenlose Kondomabgabe

    4. Was halten Sie von einer kostenlosen Kondomabgabe an männliche
    Jugendliche unter 18 Jahren?

    Ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung von Aids, aber auch anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, ist die Enttabuisierung von Kondomen. Täglich infizieren sich weltweit über 14.000 Menschen mit HIV, davon ist die Hälfte Jugendliche und Heranwachsende zwischen 15 und 24 Jahren. Es ist daher notwendig, die Verbreitung von Aids durch die Anerkennung von Verhütung und Prävention zu bekämpfen. Die FDP ist allerdings der Auffassung, dass sich dies nicht nur auf männliche Jugendliche beziehen darf, sondern dass sich die Präventionsmaßnahmen selbstverständlich auf beide Geschlechter beziehen müssen. Sollte mit der Frage gemeint sein, ob eine dauerhafte kostenfreie Abgabe von Kondomen an Jugendliche erfolgen sollte, so erachten wir dies für wenig sinnvoll und angesichts der geringen Preises von Kondomen für nicht notwendig. Die erheblichen Summen, die eine solche Bürokratie verschlingen würde, sind besser in der Präventionsarbeit aufgehoben.

    Antidiskriminierungsgesetz

    5. Was unternehmen Sie, um die Durchsetzung des
    Antidiskriminierungsgesetzes auch an Schulen im Bundesgebiet zu verankern?

    Die FDP tritt mit aller Entschiedenheit für den Abbau von Diskriminierung und Homophobie an Schulen ein. Wir wollen Benachteiligungen beseitigen und die Rechte von Minderheiten stärken. Die FDP will jedoch mehr als bl0ße Antidiskriminierungsgesetzgebung. Die FDP setzt auch beim Schutz vor Diskriminierung auf Eigenverantwortung statt auf staatliche Bevormundung und Bürokratie. Wir müssen eine Kultur des Miteinanders entwickeln, in der Diskriminierung und Vorurteile geächtet und Unterschiedlichkeit nicht nur akzeptiert, sondern als Bereicherung empfunden werden. Wichtig ist die Erarbeitung eines Leitbildes für Schulen. Schulen müssen sich zu einem offenen Umgang mit unterschiedlichen Lebensweisen und zur Schaffung eines Schulklimas, in dem Vielfalt akzeptiert wird, verpflichten. Dieses Leitbild ist kontinuierlich fortzuentwickeln und daraufhin zu überprüfen, ob die Ziele erreicht wurden und inwieweit weiterer Bedarf zum Handeln besteht.

    Suizidgefahr

    6. Wie kann man Ihrer Meinung nach, eine erhöhte Suizidgefahr bei jungen
    schwulen Männern absenken?

    Viele Jugendliche, die sich ihrer Homosexualität bewusst werden, sind oft mit ihren Sorgen und Nöten allein. Insbesondere in der Coming Out Phase ist es wichtig, dass sie Ansprechpartner haben, um sich vertrauensvoll über ihre Erfahrungen austauschen zu können. In vielen Städten gibt es spezielle Jugendzentren, die sich an schwule und lesbische Jugendliche wenden und zielgruppenspezifische Beratung und Hilfe anbieten. Diese Jugendzentren leisten wertvolle Arbeit und begleiten Jugendliche in einer schwierigen Phase. Es ist daher wichtig, dass freie Hilfs- und Beratungs- und Betreuungsinstitutionen durch finanzielle Absicherung und bedarfsgerechten Ausbau unterstützt werden.

    Essstörungen

    7. Was gedenken Sie, in Bezug auf Essstörungen bei jungen Männern zu
    unternehmen?

    Werden Erkrankungen oder Essstörungen verharmlost oder ignoriert, hat das für die Erkrankten oft schlimme Folgen. Durch rechtzeitiges Gegensteuern und frühzeitige Hilfen kann jungen Menschen geholfen werden. Eine große Verantwortung kommt hierbvei den Eltern zu. Sie müssen genau hinschauen, wenn sich Essgewohnheiten ändern. Auf Seiten der Politik können neue Therapiestudien initiiert werden, die einen genauen Aufschluss über Essstörungen bei jungen Männern und Heilungsmethoden geben. Betroffene und Angehörige dürfen nicht stigmatisiert werden und die Früherkennung und Prävention müssen gefördert werden. Dies bedeutet auch, dass das medizinische Fachpersonal stärker geschult werden muss. Gleiches gilt für Erzieher und Lehrer, damit diese frühzeitig Anzeichen einer Essstörung erkennen und Hilfe anbieten können. Die Gesellschaft kann durch Aufklärung, auch durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, stärker sensibiliseirt werden. Wichtig ist es, so viele Akteure wie möglich einzubinden.

    homosexuelle/heterosexuelle Menschen

    8. Was tut Ihre Partei für die Gleichstellung von homosexuellen Menschen mit heterosexuellen Menschen?

    Die FDP setzt sich für die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften ein. Das geltende Recht legt gleichgeschlechtlichen Paaren insgesamt weitgehende Verpflichtungen auf, ohne ihnen andererseits entsprechende Rechte zu gewähren. So finden beispielsweise die Unterhaltsverpflichtungen der Lebenspartner untereinander einkommenssteuerrechtlich keinerlei Entsprechung. Im Fall von sozialer Bedürftigkeit sind die Lebenspartner zur gegenseitigen Fürsorge verpflichtet. Sie bilden damit eine Einstandsgemeinschaft und entlasten Staat und Gesellschaft. Die rechtlichten Benachteiligungen von Lebenspartnern insbesondere im Steuerrecht und im Beamtenrecht müssen daher beseitigt werden. Mit der sog. Maruko-Entscheidung hat der europäische Gerichtshof den Mitgliedsstaaten Vorgaben zur Gleichstellung gemacht, die dringend der Beachtung im nationalen Recht bedürfen. Alle Lebensgemeinschaften, in denen die Partner füreinander Verantwortung übernehmen, sind wertvoll und müssen von Staat und der Gesellschaft unterstützt werden. Wer gleiche Pflichten hat, verdient auch gleiche Rechte.

    homosexuelle Menschen in Jugendarbeit

    10. Wieweit setzen Sie sich für die Berücksichtigung der besonderen Lebenslage junger homosexueller Menschen in Jugendarbeit und Jugendhilfe ein?

    Die FDP setzt sich für eine Stärkung der Rechte von Kindern und Jugendlichen ein und fordet, im Rahmen der Jugendministerkonferenz einheitliche Standards für die Kinder- und Jugendhilfe festzulegen und die Qualität der Kinder- und Jugendhilfe in regelmäßigen Abständen zu evaluieren. In diesem Zusammenhang sollten auch die besonderen Lebenslagen junger homosexueller Menschen in der Jugendarbeit und Jugendhilfe eine ausreichende Berücksichtigung finden.

    Mit freundlchen Grüßen

    Dirk Niebel (Generalsekretär der FDP)

  • die jugendgruppe romeo & julius 20plus am 11. september 2009: Wahl und Wahlprüfsteine

    cdu, fdp, linkspartei, grüne, spd oder doch die piratenpartei? um die frage wen man denn am besten zur diesjährigen bundestagswahl wählen sollte zu klären, hat der mann-o-meter jugendbereich wahlprüfsteine mit konkreten fragen herausgegeben. die fragen reichen von der finanzierung von sozialen projekten in berlin bis zur kostenlosen abgabe von kondomen an unter18jährige männliche jugendliche. um euch ein bisschen über die parteienlandschaft sowie über unsere wahlprüfsteine zu informieren, veranstalten wir euch einen  kleinen polit-abend. dieser wird aber trotzdem natürlich gewohnt gemütlich und ungezwungen stattfinden. also falls es euch jetzt schon im finger zwickt wählen zu gehen, dann kommt einfach am freitag um 20 uhr ins mann-o-meter.

  • GayNow-Artikel: Transgenial oder ganz normal – Erfahrungsbericht eines Neu-Berliners, der beide Berliner CSDs besucht hat

    Erfahrungsbericht eines Neu-Berliners, der beide Berliner CSDs besucht hat

    „Der Mainstream-CSD ist doch total kommerzialisiert und unpolitisch geworden!“, „Der Transgeniale CSD spaltet doch bloß die Szene und hat kaum ein Presseecho!“. Dies sind die üblichen Kommentare, die man bekommt, wenn man sich öffentlich für einen der beiden CSDs ausspricht. Und es ist etwas dran, beide haben ihre Schattenseiten. Um mir ein eigenes Bild dieses Konflikts zu machen, habe ich mich entschlossen, zum Vergleich auf beide CSDs zu gehen. Der Transgeniale CSD (auch T-CSD genannt) wurde von Aktivist_innen gegründet, um eine politische Alternative zum ihrer Meinung nach entpolitisierten normalen CSD zu schaffen. Dem wollte ich nachgehen. Glücklicherweise hat der normale CSD ein paar Stunden früher angefangen als der Transgeniale, sodass es gut möglich war, an einem Tag beide zu sehen.

    Als ich am normalen CSD ankam, war das Wetter noch recht grau und auch die Stimmung eher mäßig. Die Leute brauchten anscheinend noch mehr Prosecco, um wirklich warm zu werden. Ich persönlich bemesse einen CSD und vor allem die Wagen der Parteien an ihrer Kreativität, wie sie politische Inhalte öffentlichkeitswirksam vermitteln. Nach diesen Kriterien war der normale CSD und im besonderen die Wagen der Parteien recht ernüchternd. Der erste Wagen der mir ins Auge fiel, bereits aufgrund der Dekofarbe, war der der Grünen. Es gab einige Flyer und Sticker, die wichtige Themen wie beispielsweise die Reform des Transsexuellengesetzes ansprachen, also durchaus eine politische Initiative. Aber ein wirkliches Demo-Gefühl kam hier leider nicht auf. Weder politische Aktionen, noch kreative Transparente waren zu sehen.

    Ein beliebtes Contraargument gegenüber dem normalen CSD ist, dass er zu einer großen Party geworden ist, aber nichts mehr mit einer politischen Demonstration zu tun hat. Natürlich gehört Musik und gute Stimmung zu einem erfolgreichen CSD dazu, aber besonders der Wagen der SPD war ein gutes Beispiel, wie etwas einst Politisches nun zu einer Feier geworden ist, die eher an eine GMF-Pary erinnert, an als eine politische Homo-Demo. Die Wagen der Linkspartei und der FDP fielen kaum auf, auch eine politische Aussage. Der einzige interessante Parteien-Blickfang war die CDU. Die biedere Kleidung, das bürgerlich-konservative Auftreten und eine beeindruckend langweilige Wagen-Deko veranlassten einen Freund von mir zu dem Kommentar, man sollte doch nächstes Jahr Sticker mit dem Slogan „Unfickbar“ auf ihren Wagen kleben, falls sie dieses Image im nächsten Jahr wiederholen sollten. Da zeigt sich wieder, Politik hat auch etwas mit Ästhetik zu tun.

    Was mich persönlich sehr gefreut hat, war die Tatsache, dass es immer noch Wagen auf dem normalen CSD gab, die einen politischen Anspruch hatten und dies auch nach außen trugen. Besonders fiel mir hierbei der Wagen von Lamda auf. Einerseits haben sie es geschafft, mit einem relativ kleinen Wagen politische Statements mit guter Stimmung zu verbinden, andererseits kreierten sie meinen persönlichen CSD-Lieblingsslogan: „Für bessere CSD-Mottos!“, was angesichts des diesjährigen Verbaldiarrhoes „Stück für Stück ins Homo-Glück!“ auch wirklich angemessen war.

    Nach ca. 2-3 Stunden machten wir uns dann auf den Weg zum Transgenialen CSD. Es kam uns eine zwar eher kleine, dafür aber sehr bunte Gruppe von Leuten entgegen, die von Antifa, über Drag bis zu ganz normal aussehend, so ziemlich alles abdeckte. Riesige Wagen gab es nicht, auch keinen Umsonst-Prosecco, dafür aber „Soli-Sekt“, womit der Transgeniale CSD mitfinanziert werden sollte. Man merkte, den Menschen ging es um eine tatsächliche Aussage, ein politisches Statement. Im Gegensatz zum normalen CSD konnte man die Leute hier wirklich als Demonstrierende bezeichnen.

    Leider gab es aber auch hier kaum kreative Aktionen. Hätte sich das Wetter während des Demo-Zugs nicht verbessert, hätte man auch schon ein wenig „Latsch-Demo“-Atmosphäre bekommen können. Durch den plötzlichen Besuch Bushidos auf der Demo wurde dies aber eindeutig verhindert. Bushido, einer der berühmtesten schwulen- und frauenfeindlichen Rapper Deutschlands, bekam einiges an Buh-Rufen von Seiten der Demonstrierenden. Klugerweise konnten die Organisator_innen den Demo-Zug zum weitergehen überzeugen, um Bushido schlichtweg alleine stehen zu lassen und ihm nicht mehr Aufmerksamkeit zu geben. Die Organisator_innen hatten dieses Jahr bewusst auf ein buntes Auftreten gesetzt, nachdem letztes Jahr die Polizei sehr gewalttätig gegen einige Demonstrierende vorgegangen war, da viele einheitlich schwarz gekleidet waren, und das bei der Berliner Polizei schnell eine Art Signallicht aufrufen lässt. Aber auch dieses Jahr waren die Polizist_innen nicht gerade gut gelaunt. Ich wurde persönlich von einem Polizisten verbal und handgreiflich angegriffen, da dieser meinte, ich wolle das Polizei-Auto beschädigen. Wer also sicher vor Polizei-Repression sein möchte, ist auf dem Transgenialen CSD leider immer noch nicht gut aufgehoben.

    Im Fazit haben beide CSDs ihre Vor- und Nachteile, weswegen ich eine generelle Aussage, welcher von beiden besser, politischer oder öffentlichkeitswirksamer ist, ablehne. Meiner Meinung nach, könnten beide CSDs viel von einander lernen, wenn sie mehr miteinander kommunizieren würden, und sich nicht als Gegner sehen würden. Kaum ein Thema in der Berliner Homo-Szene wird so polarisiert geführt, wie dieses. Vielleicht sollten schlichtweg mehr Leute einfach mal versuchen, sich beide CSDs anzuschauen. Unterhaltsam ist es mit Sicherheit.

    Von Stephan Siepe