Schlagwort: Berlin

  • GayNow-Artikel: Anders leben – Schwarzer Kanal

    Eine grüne Wohnsiedlung in der Großstadt, ein Wagenplatz mit dem Anspruch, dass alle gleichberechtigt miteinander leben und zusammen ihre eigene Vorstellung von Gesellschaft ausleben, dies ist der Schwarzen Kanal, ein queer-alternativer Wagenplatz am Spreeufer, den knapp 25 Lesben, Schwulen, Transgender und Queers ihr zu Hause nennen. Abseits von gesellschaftlichen Zwängen wollen sie eine alternative Lebensweise darstellen. Die Wagenburg ist selbstorganisiert und versucht weitestgehend, alle Aufgaben gemeinsam zu besprechen und zu bewältigen. Hierdurch kommt für viele das Gefühl auf, als lebe man in einem gemeinschaftlichen und sozialen Dorf, und das mitten in der Großstadt. Die Großstadthektik und der ökonomische Arbeitszwang sollen hier nicht von Bedeutung sein. Zwar ist die Mehrheit der Bewohner_innen berufstätig, allerdings erleichtert ihr sparsamer Lebensstil ihnen die finanzielle Situation erheblich.

    Das Wort queer ist für sie mehr als nur ein grober Sammelbegriff von verschiedenen Minderheiten. Es ist eine Selbstdefinition, mit der sie ihre Ablehnung zu den stereotypen Geschlechter- und Gesellschaftsklischees darstellen. Jede_r  schafft sich hier seine_ihre eigene Identität, ein eigenständiges Bild von Geschlecht, Sexualität und Freiheit.

    Woher der Name Schwarze Kanal kommt, kann heute nach knapp zwei Jahrzehnten keine_r mehr so wirklich sagen. Man schätzt, dass das Projekt entweder nach dem dunklen Wasser der Spree oder nach der damaligen Polit-DDR-Sendung benannt wurde.

    Auf dem Gelände, dass nahe der Jannowitzbrücke liegt, sind über 30 Kleinbusse, Hütten, Bauwagen und andere selbstgebastelte Unterkünfte, in denen die Bewohner_innen hausen und leben. Neben einer alten Textilfabrik gelegen, hat sich an diesem Ort ein kleines grünes Biotop mitten im Herzen Berlins entwickelt. Allerdings hat der Wohnraum auch seine Nachteile, warmes Wasser gibt es ebenso wenig wie Strom, aber damit gehen die Bewohner_innen gelassen um. Die zugewucherte Bauwagensiedlung mit direktem Blick zur Spree ist für die queere Szene Berlins ein zentraler Treffpunkt. Der Schwarze Kanal, der gleichzeitig ein eingetragener Verein ist, veranstaltet auf dem Gelände Konzerte, „Soli-Parties“, Openairkinos und Kleinkunstshows. Zu den Veranstaltungen kommen bis zu 500 Leute am Abend. Alle 2 Wochen gibt es sogenannte Volxküchen, zu denen Nachbar_innen und Besucher_innen zum Essen eingeladen sind, gegen einen geringen Unkostenbeitrag können hier alle lecker und vegan essen.

    Das inzwischen 19-jährige Wohnprojekt hat seinen Anfang am Südufer der Spree an der  Schillingbrücke. Hier haben 1990 ca. 20 Menschen eine Wagenburg gegründet. Das zur damaligen Zeit unbenutzte Gelände gehörte dem Bauunternehmen Hochtief. Als auf der Fläche die heutige Verdi-Bundeszentrale gebaut werden sollte, mussten die Bewohner_innen weichen, und haben ihren jetzigen Platz als Ausweichmöglichkeit bekommen. Doch auch auf dem heutigen Gelände soll wieder gebaut werden, dieses mal ein Bürogebäude für die Tochtergesellschaft des Unternehmens. Vor 7 Jahren kaufte die Firma das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, mit der Vertragsauflage, das Grundstück bis spätestens 2010 zu bebauen, sonst drohen Hochtief enorme Strafzahlungen. Als Alternativgrundstück bot das Unternehmen den Bewohner_innen des Schwarzen Kanals bis vor kurzem nur Flächen am Berliner Stadtrand an. Allerdings meinen die Bewohner_innen, würde es das linksalternative Wohn- und Kulturprojekt es dort nicht unbedingt leicht haben. Sie wollen nicht dem Risiko von rechtsradikalen Übergriffen ausgesetzt sein, den sie am Berliner Stadtrand durchaus hätten. Und dies nicht ohne Begründung, andere Berliner Wohnprojekte, die näher an Gegenden wohnen, wo sich Neonazis hintrauen, haben bereits einige Erfahrungen mit gewalttätigen Neonazi-Angriffen gemacht. Die Menschen vom Schwarzen Kanal fordern vom Unternehmen eine vergleichbare standortnahe Fläche. Diese besitzt Hochtief nach eigenen Angaben aber nicht. Zudem ist der Schwarze Kanal schon einmal umgezogen, und noch einmal, sagen einige der dort Lebenden, wollen sie sich nicht vertreiben lassen. Es geht ihnen außerdem auch um die Symbolwirkung des Projektes, mitten im Herzen der Stadt, ein Beispiel für eine soziale und ökologische Alternative.

    Der Aspekt der Stadtentwicklung ist dem alternativen Wohnprojekt von besonderer Bedeutung. Immerhin wirkt sich die Gentrifizierung  in Berlin immer stärker aus. Projekte wie Mediaspree, die auf eine systematische Aufwertung der dortigen Infrastruktur, und damit verbunden auch der Wohnungsflächen, abzielen, führen dazu, dass kulturell benutzte Freiflächen und Bauwagensiedlungen keinerlei Platz mehr haben und aus dem Stadtbild verschwinden. Das Motto „Berlin soll chicer werden“ teilen aber nun mal nicht alle. Projekte wie der Schwarze Kanal versuchen hiergegen politisch anzukämpfen und zu mobilisieren. Nach dem Mauerfall Anfang der Neunziger waren enorm viele Wohnungen und Flächen in Berlin unbenutzt und niemand störte sich daran, dass einige dieser Räume in Anspruch nahmen und sinnvoll benutzen wollten. In diesen Freiräumen haben sich kulturelle und soziale Projekte entwickelt, die nun an vielen Stellen Berlins verdrängt werden sollen.

    Um ihre missliche Lage auf die politische Agenda der Kommunalpolitik zu setzen und auch um mehr Sympathisierende zu mobilisieren, hat der Schwarze Kanal die Queer&Rebel Wagentage vom 21. bis 25. Oktober veranstaltet. Ein umfangreiches Programm aus Workshops, Brunches, Kinoabenden und einer abschließenden Demonstration wurde veranstaltet. An der Demo, die am 24.10.09 stattfand, nahmen ca. 600 Menschen teil. Sie verlief vom S-Bahnhof Warschauer Straße durch Kreuzberg bis zur Köpenicker Straße in Mitte und war auch eine Solidaritätsbekundung für andere bedrohte Berliner Wohn- und Kulturprojekte.

    Verhandlungen am Runden Tisch gibt es zwar schon lange zwischen den Vertreter_innen des Schwarzen Kanals, Hochtief und den Bezirksvertreter_innen, allerdings kamen diese lange Zeit nicht voran. Stets wurde behauptet, freie Grundstücke gebe es nur außerhalb des Stadtrings. Um ihrer prekären Situation Gehör zu verschaffen, und zu zeigen, dass es auch in Mitte freie Ersatzgrundstücke gibt, haben die Bewohner_innen einen Tag vor der Demonstration zusammen mit anderen Aktivist_innen und insgesamt ca. 60 Leuten ein leerstehendes Schulgebäude in der Adalbertstraße besetzt. Sie kamen mit dem Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds in Verhandlungen und vereinbarten, dass sie das Gelände bis zum Mittag des 25.10.09 wieder verlassen. Dies ist für Berliner Verhältnisse eigentlich untypisch, da nach der sogenannten „Berliner Linie“ besetzte Gebäude innerhalb von 24 Stunden von der Polizei geräumt werden.

    Nachdem die Aktivist_innen den öffentlichen Druck verstärkt haben, gab es am 25.10.09 eine erneute Verhandlungsrunde, bei der dieses mal der Berliner Liegenschaftsfond sechs Grundstücke innerhalb des S-Bahn-Ringes anbot. Die Unterstützer_innen des Schwarzen Kanals sind zuvor mit mehreren Wagen vor den Verhandlungsort gezogen, um Druck auszuüben und ein Zeichen zu setzen. Als die Nachricht der neuen Angebote sie erreichte, kam spontaner Applaus auf. Doch von einem Erfolg möchten die Bewohner_innen erst sprechen, wenn ein konkreter Vertrag abgeschlossen ist. Die Gespräche werden fortgesetzt, wie es konkret weiter geht, ist nicht abzusehen.

  • die jugendgruppe romeo & julius 20plus am 11. dezember 2009: besuch eines weihnachtsmarkts

    da wir ja nun mitten in der weihnachtszeit sind, dachten wir uns von der jugendgruppe romeo & julius 20plus, dass wir auch diesbezüglich etwas weihnachtliches unternehmen sollten. und was gibt es weihnachtlicheres als gemeinsam über einen weihnachtsmarkt zu gehen. lecker süßkram futtern, glühwein oder einen heißen kakao trinken und dabei gemeinsam die buden anschauen und einfach herumschlendern.

    wenn ihr hierauf ebenfalls lust habt und auch gerne junge schwule zwischen 20 und 29 jahren kennen lernen würdet, dann kommt am feitag um 20 uhr ins mann-o-meter.

  • die jugendgruppe romeo & julius am 10. dezember 2009: besuch eines weihnachtsmarkts

    da wir ja nun mitten in der weihnachtszeit sind, dachten wir uns von der jugendgruppe romeo & julius, dass wir auch diesbezüglich etwas weihnachtliches unternehmen sollten. und was gibt es weihnachtlicheres als gemeinsam über einen weihnachtsmarkt zu gehen. lecker süßkram futtern, glühwein oder einen heißen kakao trinken und dabei gemeinsam die buden anschauen und einfach herumschlendern.

    wenn ihr hierauf ebenfalls lust habt und auch gerne junge schwule zwischen 16 und 19 jahren kennen lernen würdet, dann kommt am donnerstag um 17.30 uhr ins mann-o-meter.

  • die jugendgruppe romeo & julius 20plus am 4. dezember 2009: Plätzchen backen

    es wird kälter draußen und man bekommt langsam die ersten gefühle von weihnachten, gleichzeitig nimmt auch die lust daran zu etwas süßes  zu schlickern. zwar ist es kalt draußen, aber man hat immer noch lust, mal wieder leute zu sehen und vielleicht auch mal neue leute kennen zu lernen. daher veranstalten wir von der jugendgruppe romeo & julius 20plus einen abend mit lecker plätzchen backen.

    ihr seit alle herzlich eingeladen eure netten alten familien- oder sonstige lieblingsrezepte mitzubringen!

  • GayNow-Artikel: Welt-Aids-Tag

    Am 1. Dezember ist internationaler Welt-Aids-Tag, an diesem Tag wird auf das immer noch wichtige Thema HIV/Aids aufmerksam gemacht. Zwar ist die Thematik in den Köpfen vieler nicht besonders präsent, dabei hat HIV/Aids nichts an seiner Aktualität verloren. Die Zahl der Neu-Diagnosen ebenso wie die schwierige Situation der Infizierten hat sich nicht verbessert. In Deutschland sterben 2 Menschen am Tag an den Folgen der Immunschwäche. Laut der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) stagnieren die Zahlen der HIV-Neuinfektionen weiterhin auf hohem Niveau. Allerdings ist gerade in Berlin ein deutlicher Anstieg der Neuinfektionen bei MSM (Männer die Sex mit Männern haben) zu verzeichnen. Von 2007 bis 2008 liegt die Steigerung bei 7% in dieser Gruppe. Das Robert-Koch-Institut sieht hierfür die steigende Verbreitung der Syphilis in Berlin als Hauptursache. In Berlin stieg die Anzahl der gemeldeten Syphilis-Fälle im gleichen Zeitraum um 46%. Syphilis, ebenso wie weitere sexuell übertragbare Krankheiten, verstärkt das Risiko einer HIV-Übertragung enorm.

    Um auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen wird es viele Veranstaltungen und Aktionen, anlässlich dieses speziellen Tages geben. Beispielsweise veranstaltet die Berliner Aids-Hilfe eine Gala unter dem Titel „Künstler gegen Aids“. Auf der Benefizgala wird auf die Thematik aufmerksam gemacht und verschiedene Künstler_innen , die sich in diesem Bereich engagieren, präsentieren hier ihre Arbeit. Die Initiatoren des Welt-Aids-Tages rufen dazu auf, Solidarität zu zeigen, und selber Aktionen zu starten oder mitzumachen. Die Message lautet: Jede_r kann sich beteiligen, über konkrete Aktionen, Spenden oder über eine Solidaritätsbekundung als Botschafter_in auf der deutschen Homepage des Welt-Aids-Tages. Hier kann man einen Kommentar abgeben und ein Bild dazu hochzuladen. Mehr als 9000 Menschen haben dies bereits getan. Des weiteren wird am 28. November eine Rote-Schleifen-Aktion veranstaltet, bei dem ehrenamtliche Engagierte Schleifen verteilen und dabei Spenden sammeln. Möglichkeiten der Zivilcourage gibt es also viele.

    Der Welt-Aids-Tag wurde 1988 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen ins Leben gerufen und durchgeführt. Ziel war ein Aufruf an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Solidarität mit den HIV/Aids-Kranken zu zeigen, sowie stärker gegen die HIV-Pandemie vorzugehen. Inzwischen organisiert die UNAIDS (Joint United Nations Programme on HIV/AIDS) den Welt-Aids-Tag, der jedes Jahr am 1. Dezember stattfindet. Das internationale Welt-Aids-Tag-Motto lautet für 2005-2010 „Stop Aids – keep the promise“, dies ist eine Erinnerung an die UN-Sondersitzung 2001, bei dem die Staats- und Regierungschefs das Versprechen gegeben haben, vehementer gegen HIV/Aids zu kämpfen. Die deutschen Initiatoren des Welt-Aids-Tages, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) und die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS), haben das Motto in
    „Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung – für uns selbst und andere“ übersetzt. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass das Thema nicht nur für Politiker_innen und Interessensvertreter_innen wichtig ist, sondern alle etwas angeht. Ihre Aussage ist, dass der Kampf gegen HIV/Aids nicht ohne Zivilcourage gewonnen werden kann.

    Wer mehr zu dem Thema wissen möchte oder wer selbst aktiv werden möchte, findet hier sinnvolle Links zum weiterlesen:

    http://www.gib-aids-keine-chance.de/
    http://www.berlin-aidshilfe.de/aktuell/rote-schleifen-fuer-berlin.html
    http://www.weltaidstag.eu/
    http://www.weltaidstag.info/

  • die jugendgruppe romeo & julius 20plus am 9. Oktober 2009: Ackerkeller Tischtennis

    der ackerkeller ist eine coole nette kneipe und zugleich disko in der bergstraße 68 in berlin-mitte. wir freuen uns sehr, dass wir als ag-jugend diese location bekommen haben. im ackerkeller veranstalten wir ein tischtennis-turnier. wer mit wem spielt und wer am ende den preis bekommt, das wird sich alles zeigen am freitag um 20 uhr.

    bis dahin könnt ihr ja schonmal vorher etwas üben 🙂

  • GayNow-Artikel: Transgenial oder ganz normal – Erfahrungsbericht eines Neu-Berliners, der beide Berliner CSDs besucht hat

    Erfahrungsbericht eines Neu-Berliners, der beide Berliner CSDs besucht hat

    „Der Mainstream-CSD ist doch total kommerzialisiert und unpolitisch geworden!“, „Der Transgeniale CSD spaltet doch bloß die Szene und hat kaum ein Presseecho!“. Dies sind die üblichen Kommentare, die man bekommt, wenn man sich öffentlich für einen der beiden CSDs ausspricht. Und es ist etwas dran, beide haben ihre Schattenseiten. Um mir ein eigenes Bild dieses Konflikts zu machen, habe ich mich entschlossen, zum Vergleich auf beide CSDs zu gehen. Der Transgeniale CSD (auch T-CSD genannt) wurde von Aktivist_innen gegründet, um eine politische Alternative zum ihrer Meinung nach entpolitisierten normalen CSD zu schaffen. Dem wollte ich nachgehen. Glücklicherweise hat der normale CSD ein paar Stunden früher angefangen als der Transgeniale, sodass es gut möglich war, an einem Tag beide zu sehen.

    Als ich am normalen CSD ankam, war das Wetter noch recht grau und auch die Stimmung eher mäßig. Die Leute brauchten anscheinend noch mehr Prosecco, um wirklich warm zu werden. Ich persönlich bemesse einen CSD und vor allem die Wagen der Parteien an ihrer Kreativität, wie sie politische Inhalte öffentlichkeitswirksam vermitteln. Nach diesen Kriterien war der normale CSD und im besonderen die Wagen der Parteien recht ernüchternd. Der erste Wagen der mir ins Auge fiel, bereits aufgrund der Dekofarbe, war der der Grünen. Es gab einige Flyer und Sticker, die wichtige Themen wie beispielsweise die Reform des Transsexuellengesetzes ansprachen, also durchaus eine politische Initiative. Aber ein wirkliches Demo-Gefühl kam hier leider nicht auf. Weder politische Aktionen, noch kreative Transparente waren zu sehen.

    Ein beliebtes Contraargument gegenüber dem normalen CSD ist, dass er zu einer großen Party geworden ist, aber nichts mehr mit einer politischen Demonstration zu tun hat. Natürlich gehört Musik und gute Stimmung zu einem erfolgreichen CSD dazu, aber besonders der Wagen der SPD war ein gutes Beispiel, wie etwas einst Politisches nun zu einer Feier geworden ist, die eher an eine GMF-Pary erinnert, an als eine politische Homo-Demo. Die Wagen der Linkspartei und der FDP fielen kaum auf, auch eine politische Aussage. Der einzige interessante Parteien-Blickfang war die CDU. Die biedere Kleidung, das bürgerlich-konservative Auftreten und eine beeindruckend langweilige Wagen-Deko veranlassten einen Freund von mir zu dem Kommentar, man sollte doch nächstes Jahr Sticker mit dem Slogan „Unfickbar“ auf ihren Wagen kleben, falls sie dieses Image im nächsten Jahr wiederholen sollten. Da zeigt sich wieder, Politik hat auch etwas mit Ästhetik zu tun.

    Was mich persönlich sehr gefreut hat, war die Tatsache, dass es immer noch Wagen auf dem normalen CSD gab, die einen politischen Anspruch hatten und dies auch nach außen trugen. Besonders fiel mir hierbei der Wagen von Lamda auf. Einerseits haben sie es geschafft, mit einem relativ kleinen Wagen politische Statements mit guter Stimmung zu verbinden, andererseits kreierten sie meinen persönlichen CSD-Lieblingsslogan: „Für bessere CSD-Mottos!“, was angesichts des diesjährigen Verbaldiarrhoes „Stück für Stück ins Homo-Glück!“ auch wirklich angemessen war.

    Nach ca. 2-3 Stunden machten wir uns dann auf den Weg zum Transgenialen CSD. Es kam uns eine zwar eher kleine, dafür aber sehr bunte Gruppe von Leuten entgegen, die von Antifa, über Drag bis zu ganz normal aussehend, so ziemlich alles abdeckte. Riesige Wagen gab es nicht, auch keinen Umsonst-Prosecco, dafür aber „Soli-Sekt“, womit der Transgeniale CSD mitfinanziert werden sollte. Man merkte, den Menschen ging es um eine tatsächliche Aussage, ein politisches Statement. Im Gegensatz zum normalen CSD konnte man die Leute hier wirklich als Demonstrierende bezeichnen.

    Leider gab es aber auch hier kaum kreative Aktionen. Hätte sich das Wetter während des Demo-Zugs nicht verbessert, hätte man auch schon ein wenig „Latsch-Demo“-Atmosphäre bekommen können. Durch den plötzlichen Besuch Bushidos auf der Demo wurde dies aber eindeutig verhindert. Bushido, einer der berühmtesten schwulen- und frauenfeindlichen Rapper Deutschlands, bekam einiges an Buh-Rufen von Seiten der Demonstrierenden. Klugerweise konnten die Organisator_innen den Demo-Zug zum weitergehen überzeugen, um Bushido schlichtweg alleine stehen zu lassen und ihm nicht mehr Aufmerksamkeit zu geben. Die Organisator_innen hatten dieses Jahr bewusst auf ein buntes Auftreten gesetzt, nachdem letztes Jahr die Polizei sehr gewalttätig gegen einige Demonstrierende vorgegangen war, da viele einheitlich schwarz gekleidet waren, und das bei der Berliner Polizei schnell eine Art Signallicht aufrufen lässt. Aber auch dieses Jahr waren die Polizist_innen nicht gerade gut gelaunt. Ich wurde persönlich von einem Polizisten verbal und handgreiflich angegriffen, da dieser meinte, ich wolle das Polizei-Auto beschädigen. Wer also sicher vor Polizei-Repression sein möchte, ist auf dem Transgenialen CSD leider immer noch nicht gut aufgehoben.

    Im Fazit haben beide CSDs ihre Vor- und Nachteile, weswegen ich eine generelle Aussage, welcher von beiden besser, politischer oder öffentlichkeitswirksamer ist, ablehne. Meiner Meinung nach, könnten beide CSDs viel von einander lernen, wenn sie mehr miteinander kommunizieren würden, und sich nicht als Gegner sehen würden. Kaum ein Thema in der Berliner Homo-Szene wird so polarisiert geführt, wie dieses. Vielleicht sollten schlichtweg mehr Leute einfach mal versuchen, sich beide CSDs anzuschauen. Unterhaltsam ist es mit Sicherheit.

    Von Stephan Siepe