Romeo & Julius am 16.06.17: Themenabend sexuelle Identitäten.

Hallo Jungs, Mädels und Sternchen*.

Es ist nicht immer alles Schwarz oder Weiß es gibt viel mehr Farben genau wie auf der Pride Flagge. Mit welchem Geschlecht Identifiziert Ihr euch eigentlich? Wozu braucht man eigentlich mehr Geschlechterformen? Reicht Mann und Frau nicht aus? Gibt es Unterschiede beim Coming Out?

An diesem Freitag begrüßt euch Gina mit einer Gesprächsrunde rund um Identität und Sexualität.

Wir treffen uns wie immer am Freitag um 20:00 Uhr im MoM. Wir freuen uns auf euch.

Bis dahin. Gina und Jakob

Foto: https://www.flickr.com/photos/madhairstyling/

 

 

Romeo & Julius am 12. Mai 2017: Respect Night bei Lambda

Huhu Nachtschwärmer, nicht-Nachtschwärmer und Gays,

diese Woche machen wir am Freitagabend einen Ausflug zum queeren Jugendhaus von Lambda, dort finden die  Respect Nights statt! Es gibt ein spannendes Abendprogramm: unter anderem eine Quiz-Rally und Lagerfeuer, bei gutem Wetter (wird schon ;)).

Wir treffen uns zur gewohnten Zeit am Freitag um 20:00 Uhr im MOM! 🙂 Wer schon vorher Zeit hat, kann auch Vorort hinkommen, ich bin dort ab 19:00 Uhr und freue mich auf Euch. Die Adresse wäre die Sonnenburger Str. 69, 10437 Berlin!


Stefan wartet dann um 20:00 Uhr im Mann-O-Meter auf euch und ihr fahrt gemeinsam dorthin. Wie auch immer ihr euch entscheidet: 19h bei Lambda oder 20h im Mann-O-Meter – es wird aufregend!

Wir freuen uns auf Euch!

Tim

Onlinebefragung „Queere Freizeit“

+++ Jungschwuppen of the world! +++ Nachricht aus München +++ Umfrage des DJI +++ Lest selbst! +++

 

 

Hallo du!

Am Deutschen Jugendinstitut wird derzeit die Studie „“Queere Freizeit“ durchgeführt. Hier wird erstmalig bundesweit erforscht, wie lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queere Jugendliche und junge Erwachsene ihre Freizeit verbringen und welche Erfahrungen sie dabei machen.

Dafür wird zum einen eine Online-Befragung durchgeführt und es gibt zum anderen die Möglichkeit, an Interviews teilzunehmen.

Wenn du zwischen 14 und 27 Jahre alt bist, würden wir uns sehr freuen, wenn du an der Studie teilnimmst! Es geht darum, was du in deiner Freizeit gerne unternimmst, wo du gute Erfahrungen gemacht hast aber auch, was evtl. bisher nicht so toll war.

Die Befragung ist vollkommen anonym, deine Angaben können also nicht mit dir in Verbindung gebracht werden. Die Befragung dauert etwa 20 Minuten. Klick dazu einfach auf den unten stehenden Link.

Es freut uns sehr, dass du an der Befragung teilnimmst!

http://www.dji.de/umfrage_queere_freizeit

Unter der Adresse queere-freizeit@dji.de oder per Telefon unter 089-62306-310  beantworten wir auch gerne alle weiteren Fragen.

Wir freuen uns, wenn du diese Nachricht an alle weiterleitest, die vielleicht Lust haben, mitzumachen.

Herzliche Grüße,

Claudia und Kerstin für das Projektteam

 

queere jugendgruppe in treptow-köpenick

die einwohnerzahl der berliner bezirke nach der bezirksreform kommt der einwohnerzahl einer mittelgroßen stadt schon sehr nahe. da verträgt es sich gut, dass für schwule, lesbische… also queere jugendliche in allen bezirken gruppen existieren. dies ist bis jetzt leider nicht der fall und man fragt sich, wo überhaupt die queere jugend der stadt berlin steckt.

treptow-köpenick startet nun einen versuch, queere jugendliche mit einem programm, einer gruppe und pizza hinter dem ofen hervorzulocken. ein wenig vollmundig die aussage: schöneber war gestern – treptow-köpenick ist morgen. nun, der berliner ist ja ein kiez-verfechter und da schadet es auch nicht, die jugendgruppe um die ecke aufzusuchen.

das erste mal kann man dies am 23ten oktober um 16.00 uhr in der villa offensiv machen. alle näheren daten und informationen finden sich auf dem flyer der ag-queer in treptow-köpenick. der kann hier als pdf-datei heruntergeladen werden. viel spaß!

nachtrag: falls das jemand liest, der bescheid weiß, wie sehen denn die altersvorgaben für die gruppe aus?

GayNow-Artikel: Was ist queer?

Queer ist heute in den Augen von vielen ein neudeutsches Wort für alles was mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität zu tun hat. Es ist eine Art sprachliches Sammelsurium der Randgruppen und in dem Sinne einfach praktisch, da hiermit ja alle inbegriffen sind und keine der verschiedenen Gruppen vergessen wurde. Andere sehen queer als homo-alternativ und wenn sie auf eine Indie-Party gehen wollen, meinen sie, dass eine „queer Party“ dem am ehesten gerecht wird. Den eigentlichen Hintergrund und die wirkliche Bedeutung von queer ist leider den wenigsten bekannt. Allerdings ist die klare Definition des Wortes schon als solches schwierig, da das Konzept dass hinter queer steckt im Grunde nicht definiert werden möchte. Aber fangen wir lieber ganz von vorne an.

Wer ins Englischwörterbuch nach einer Übersetzung sucht findet als Ergebnis queer = komisch, seltsam, anders. Dies stimmt auch als ursprüngliche Bedeutung. Es wurde zu einem englischen Schimpfwort was dem us-amerikanischen „faggot“ ähnelt, also „Schwuchtel“ heißt. Ähnlich wie „schwul“ wurde queer von einem ursprünglich negativ konnotierten Begriff positiv umgedeutet. Queer wurde als kämpferische Selbstbezeichnung benutzt.

In den späten 80er Jahren in den USA taten sich radikale Aktivist_innen  zusammen die sich einerseits von der Mehrheitsbevölkerung und andererseits von der Gay Community ausgegrenzt fühlten. Der Lesben- und Schwulenbewegung wurde unkritisches Verhalten in ihrem eigenen politischen Vorgehen vorgeworfen. Der Vorwurf war, dass sie teils als „ethnische Gruppe“ dargestellt wurden, die ganz klare Eigenschaften haben. Dieses Bild bestand aus bürgerlichen, gut-verdienenden lesbischen und schwulen Pärchen die sich nach Anerkennung durch die Gesamtgesellschaft sehnen. Continue reading „GayNow-Artikel: Was ist queer?“

GayNow-Artikel: Homo-Aktivist Walter Tróchez in Honduras ermordet

walter_trochezDer Menschrechtsaktivist Walter Tróchez,  der sich in der honduranischen LSBT-Bewegung (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) einsetzt, wurde am 14. Dezember in der Hauptstadt des Landes, Tegucigalpa erschossen. Der Mord ist Teil einer Reihe von gewalttätigen Anfeindungen, Übergriffen und Menschenrechtsverletzungen gegenüber LSBT in Honduras seit dem Militärputsch im Juni 2009. Tróchez nannte in seinem Brief vom 16. November, in dem er über die gefährliche Lage berichtete, 9 ermordete LSBT Aktivist_innen  in den 4 Monaten seit dem Putsch. Die International Gay and Lesbian Human Rights Commission  sprach bei der Ermordung von Tróchez sogar vom 16. Mord dieser Art seit dem Staatsstreich. Amnesty International, HRW (Human Rights Watch) und weitere Organisationen kritisieren öffentlich die massiven Menschenrechtsverletzungen und fordern eine umfangreiche Aufklärung und juristische Ahndung der Morde. HRW sprach von einem gefährlichen Muster von Gewalt an LSBT seit dem Staatsstreich. Juliana Cano, die im Namen von HRW hierzu recherchiert, sagte: „Die zunehmende Gewalt gegen Menschen die anders aussehen oder anders lieben spiegelt eine Krise der Intoleranz wieder.“

Walter Tróchez war Aktivist der Widerstandsbewegung, sowie HIV/Aids-Aktivist in Honduras und setzte sich gegen den Putsch ein. Er hat mehrfach über homo- und transphobe Ermordungen seit dem Staatsstreich berichtet und publiziert. Hierdurch wurde er zum Feind der Putschregierung und ihrer Unterstützer_innen. Einige Tage vor seiner Ermordung, am 4. Dezember, wurde er von 4 Maskierten gekidnappt, zusammengeschlagen und bekam eine Morddrohung, dass er unmittelbar mit seinem politischen Aktivismus aufhören solle. Die Kidnapper versuchten, Informationen von ihm über die Widerstandsbewegung zu bekommen. Es gelang ihm glücklicherweise zu fliehen. Anschließend reichte er eine Beschwerde ein, mit nationaler sowie internationaler Unterstützung. Noch im gleichen Monat wurde er aus einem vorbeifahrenden Auto heraus mehrfach angeschossen. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Laut der Honduras-Expertin und Assistenz-Professorin für Anthropologie an der American University in Washington, D.C., die täglichen Kontakt zur Oppositions- und zur LSBT -Bewegung pflegt, hat der Mord an Tróchez eine besonders starke Außenwirkung. Einerseits war er innerhalb der Widerstandsbewegung gegen den Staatsputsch aktiv, andererseits hat er innerhalb dieser Bewegung seine Mitstreiter_innen mit ihrer eigenen Homo- und Transphobie konfrontiert und so zu mehr Respekt und Toleranz innerhalb der honduranischen Linken geführt.

Verschiedene Quellen beschuldigen die Regierung des Mordes an Walter Tróchez und weiteren Aktivist_innen, die Regierung weist jede Schuld von sich. Die polizeilichen Ermittlungen haben laut eigener Aussagen der Behörden nichts ergeben. Das einzige was herausgefunden wurde, sei, dass die honduranische Polizei mit dem Mord nichts zu tun habe.

Der Putsch des demokratisch gewählten Präsidenten Manuel Zelaya ereignete sich am 28. Juni 2009 in Tegucigalpa. Vorangegangen war eine kontroverse Debatte um die Einberufung eines Volksentscheids. Zelaya hatte vor für den 28. Juni eine Volksbefragung stattfinden zu lassen, in dem die Bevölkerung entscheiden sollte, ob gleichzeitig zur Präsidentschaftswahl im November über ein Referendum zur Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung abgestimmt wird. Zelayas Kritiker_innen warfen ihm vor, hiermit auf eine  rechtliche Grundlage für eine Wiederwahl von ihm als Präsidenten abzuzielen. Die Änderung dieses Paragraphen ist eigentlich in der Verfassung verboten.

Vorangegangen waren Streitigkeiten um Zelayas politische Orientierung. Der zunächst als konservativ-liberaler Präsident gewählte Zelaya hat aktuell seine Hauptunterstützung durch die honduranische Linke, sowie durch das linksgerichtetete lateinamerikanische Staatenbündnis ALBA. Dies führte zu enormen parteiinternen Konflikten. Der Putschpräsident Michelletti ist Mitglied derselben Partei wie Zelaya und damit ein Beispiel für die Spaltung der Partei.

Vieles hängt nun davon ab, ob die neue honduranische Regierung von anderen Staaten  anerkannt wird oder nicht. Im November wurde der neue konservative Kandidat Porfirio „Pepe“ Lobo zum Präsidenten gewählt. Die Wahl ist allerdings höchst umstritten. Unabhängige NGOs  haben mehrfach dazu aufgerufen, die Wahl nicht anzuerkennen. Des weiteren berichten sie ebenso wie die Widerstandsbewegung des Landes von einer Wahlenthaltung von bis zu 70%. Demonstrationen am Tag der Wahlen wurden gewalttätig niedergeschlagen, Menschen die dazu aufriefen, die Wahlen zu boykottieren wurden mit hohen Strafen und dem Entzug der Staatsbürgerschaft bedroht. Es gibt Berichte, dass Militär und Polizei politisch instrumentalisiert worden sind für Einschüchterungen und Morde.

Die deutsche Bundesregierung hat sich noch nicht klar zur Anerkennung der Wahlen  geäußert. Vizeregierungschef Guido Westerwelle ist aber für eine Anerkennung. Die EU ist hierbei gespalten. Fast alle Staaten Nord- und Südamerikas lehnen eine Anerkennung der Wahlen ab, mit Ausnahme der USA, Kolumbiens, Panamas und Costa Ricas. Die Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft, angeführt von Brasilien und Venezuela betreiben weiterhin eine Isolationspolitik gegenüber der neuen honduranischen Regierung.

Eine besondere Rolle in diesem Konflikt spielt die FDP und insbesondere die ihr nahe stehende „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ (FNS). Die Stiftung hat schon seit langem intensive Kontakte zu den konservativ-liberalen Kräften in Honduras, die verantwortlich sind für den Staatsputsch. Direkt nach dem Staatsstreich veröffentlichte der FNS-Regionaldirektor Christian Lüth einen „Bericht aus aktuellem Anlass“, der den Titel trägt „Mehr Täter als Opfer“. Zelaya wird hierin vorgeworfen, selbst Schuld an der Situation zu sein: „Seit Monaten provozierte der Präsident die Legislative und die staatlichen Institutionen …“. Die Putschist_innen, hätten, so der Bericht „keine andere Wahl“ gehabt. Obwohl der Staatsstreich beim Großteil der internationalen Gemeinschaft auf klare Kritik stoß, nannte ihn die FNS eine „Rückkehr zu Rechtsstaat und zu Verfassungsmäßigkeit“. Auch lud die FNS verschiedene Vertreter_innen des Putsches zu einer Diskussionsveranstaltung ein. Inzwischen hat sich Lüth von seinen anfänglichen Aussagen aber distanziert. Der tageszeitung teilte er im November mit „Es gab schwarze Monate.“ und forderte sogar die Wiedereinsetzung des gestürzten Präsidenten Zelaya. Die Diskussionsveranstaltung verteidigte er aber weiterhin mit der Aussage „Wir haben ein Meinungsspektrum wiedergegeben, das ungewöhnlich war.“.

Anlässlich dieser Ungerechtigkeiten und Missstände hat die Berliner Gruppe Honduras-Koordination zu einer Kundgebung für den 26.1. vor dem Auswärtigen Amt aufgerufen. Im Anschluss hieran marschiert das Berliner „Queere Bündnis Walter Tróchez“ zu einer eigenen Demo vor der FDP-Bundesgeschäftsstelle . Die Forderungen des Bündnisses sind eine Unterstützung der honduranischen Menschenrechtsaktivist_innen und LSBT, keine Anerkennung der Präsidentschaftswahlen vom November 2009, eine sofortige Aufklärung der seit dem 28.6.2009 in Honduras verübten Verbrechen sowie eine Beendigung der Zusammenarbeit von FDP und NFS mit den Putschist_innen und ihren Verbündeten.

GayNow-Artikel: Anders leben – Schwarzer Kanal

Eine grüne Wohnsiedlung in der Großstadt, ein Wagenplatz mit dem Anspruch, dass alle gleichberechtigt miteinander leben und zusammen ihre eigene Vorstellung von Gesellschaft ausleben, dies ist der Schwarzen Kanal, ein queer-alternativer Wagenplatz am Spreeufer, den knapp 25 Lesben, Schwulen, Transgender und Queers ihr zu Hause nennen. Abseits von gesellschaftlichen Zwängen wollen sie eine alternative Lebensweise darstellen. Die Wagenburg ist selbstorganisiert und versucht weitestgehend, alle Aufgaben gemeinsam zu besprechen und zu bewältigen. Hierdurch kommt für viele das Gefühl auf, als lebe man in einem gemeinschaftlichen und sozialen Dorf, und das mitten in der Großstadt. Die Großstadthektik und der ökonomische Arbeitszwang sollen hier nicht von Bedeutung sein. Zwar ist die Mehrheit der Bewohner_innen berufstätig, allerdings erleichtert ihr sparsamer Lebensstil ihnen die finanzielle Situation erheblich.

Das Wort queer ist für sie mehr als nur ein grober Sammelbegriff von verschiedenen Minderheiten. Es ist eine Selbstdefinition, mit der sie ihre Ablehnung zu den stereotypen Geschlechter- und Gesellschaftsklischees darstellen. Jede_r  schafft sich hier seine_ihre eigene Identität, ein eigenständiges Bild von Geschlecht, Sexualität und Freiheit.

Woher der Name Schwarze Kanal kommt, kann heute nach knapp zwei Jahrzehnten keine_r mehr so wirklich sagen. Man schätzt, dass das Projekt entweder nach dem dunklen Wasser der Spree oder nach der damaligen Polit-DDR-Sendung benannt wurde.

Auf dem Gelände, dass nahe der Jannowitzbrücke liegt, sind über 30 Kleinbusse, Hütten, Bauwagen und andere selbstgebastelte Unterkünfte, in denen die Bewohner_innen hausen und leben. Neben einer alten Textilfabrik gelegen, hat sich an diesem Ort ein kleines grünes Biotop mitten im Herzen Berlins entwickelt. Allerdings hat der Wohnraum auch seine Nachteile, warmes Wasser gibt es ebenso wenig wie Strom, aber damit gehen die Bewohner_innen gelassen um. Die zugewucherte Bauwagensiedlung mit direktem Blick zur Spree ist für die queere Szene Berlins ein zentraler Treffpunkt. Der Schwarze Kanal, der gleichzeitig ein eingetragener Verein ist, veranstaltet auf dem Gelände Konzerte, „Soli-Parties“, Openairkinos und Kleinkunstshows. Zu den Veranstaltungen kommen bis zu 500 Leute am Abend. Alle 2 Wochen gibt es sogenannte Volxküchen, zu denen Nachbar_innen und Besucher_innen zum Essen eingeladen sind, gegen einen geringen Unkostenbeitrag können hier alle lecker und vegan essen.

Das inzwischen 19-jährige Wohnprojekt hat seinen Anfang am Südufer der Spree an der  Schillingbrücke. Hier haben 1990 ca. 20 Menschen eine Wagenburg gegründet. Das zur damaligen Zeit unbenutzte Gelände gehörte dem Bauunternehmen Hochtief. Als auf der Fläche die heutige Verdi-Bundeszentrale gebaut werden sollte, mussten die Bewohner_innen weichen, und haben ihren jetzigen Platz als Ausweichmöglichkeit bekommen. Doch auch auf dem heutigen Gelände soll wieder gebaut werden, dieses mal ein Bürogebäude für die Tochtergesellschaft des Unternehmens. Vor 7 Jahren kaufte die Firma das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, mit der Vertragsauflage, das Grundstück bis spätestens 2010 zu bebauen, sonst drohen Hochtief enorme Strafzahlungen. Als Alternativgrundstück bot das Unternehmen den Bewohner_innen des Schwarzen Kanals bis vor kurzem nur Flächen am Berliner Stadtrand an. Allerdings meinen die Bewohner_innen, würde es das linksalternative Wohn- und Kulturprojekt es dort nicht unbedingt leicht haben. Sie wollen nicht dem Risiko von rechtsradikalen Übergriffen ausgesetzt sein, den sie am Berliner Stadtrand durchaus hätten. Und dies nicht ohne Begründung, andere Berliner Wohnprojekte, die näher an Gegenden wohnen, wo sich Neonazis hintrauen, haben bereits einige Erfahrungen mit gewalttätigen Neonazi-Angriffen gemacht. Die Menschen vom Schwarzen Kanal fordern vom Unternehmen eine vergleichbare standortnahe Fläche. Diese besitzt Hochtief nach eigenen Angaben aber nicht. Zudem ist der Schwarze Kanal schon einmal umgezogen, und noch einmal, sagen einige der dort Lebenden, wollen sie sich nicht vertreiben lassen. Es geht ihnen außerdem auch um die Symbolwirkung des Projektes, mitten im Herzen der Stadt, ein Beispiel für eine soziale und ökologische Alternative.

Der Aspekt der Stadtentwicklung ist dem alternativen Wohnprojekt von besonderer Bedeutung. Immerhin wirkt sich die Gentrifizierung  in Berlin immer stärker aus. Projekte wie Mediaspree, die auf eine systematische Aufwertung der dortigen Infrastruktur, und damit verbunden auch der Wohnungsflächen, abzielen, führen dazu, dass kulturell benutzte Freiflächen und Bauwagensiedlungen keinerlei Platz mehr haben und aus dem Stadtbild verschwinden. Das Motto „Berlin soll chicer werden“ teilen aber nun mal nicht alle. Projekte wie der Schwarze Kanal versuchen hiergegen politisch anzukämpfen und zu mobilisieren. Nach dem Mauerfall Anfang der Neunziger waren enorm viele Wohnungen und Flächen in Berlin unbenutzt und niemand störte sich daran, dass einige dieser Räume in Anspruch nahmen und sinnvoll benutzen wollten. In diesen Freiräumen haben sich kulturelle und soziale Projekte entwickelt, die nun an vielen Stellen Berlins verdrängt werden sollen.

Um ihre missliche Lage auf die politische Agenda der Kommunalpolitik zu setzen und auch um mehr Sympathisierende zu mobilisieren, hat der Schwarze Kanal die Queer&Rebel Wagentage vom 21. bis 25. Oktober veranstaltet. Ein umfangreiches Programm aus Workshops, Brunches, Kinoabenden und einer abschließenden Demonstration wurde veranstaltet. An der Demo, die am 24.10.09 stattfand, nahmen ca. 600 Menschen teil. Sie verlief vom S-Bahnhof Warschauer Straße durch Kreuzberg bis zur Köpenicker Straße in Mitte und war auch eine Solidaritätsbekundung für andere bedrohte Berliner Wohn- und Kulturprojekte.

Verhandlungen am Runden Tisch gibt es zwar schon lange zwischen den Vertreter_innen des Schwarzen Kanals, Hochtief und den Bezirksvertreter_innen, allerdings kamen diese lange Zeit nicht voran. Stets wurde behauptet, freie Grundstücke gebe es nur außerhalb des Stadtrings. Um ihrer prekären Situation Gehör zu verschaffen, und zu zeigen, dass es auch in Mitte freie Ersatzgrundstücke gibt, haben die Bewohner_innen einen Tag vor der Demonstration zusammen mit anderen Aktivist_innen und insgesamt ca. 60 Leuten ein leerstehendes Schulgebäude in der Adalbertstraße besetzt. Sie kamen mit dem Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds in Verhandlungen und vereinbarten, dass sie das Gelände bis zum Mittag des 25.10.09 wieder verlassen. Dies ist für Berliner Verhältnisse eigentlich untypisch, da nach der sogenannten „Berliner Linie“ besetzte Gebäude innerhalb von 24 Stunden von der Polizei geräumt werden.

Nachdem die Aktivist_innen den öffentlichen Druck verstärkt haben, gab es am 25.10.09 eine erneute Verhandlungsrunde, bei der dieses mal der Berliner Liegenschaftsfond sechs Grundstücke innerhalb des S-Bahn-Ringes anbot. Die Unterstützer_innen des Schwarzen Kanals sind zuvor mit mehreren Wagen vor den Verhandlungsort gezogen, um Druck auszuüben und ein Zeichen zu setzen. Als die Nachricht der neuen Angebote sie erreichte, kam spontaner Applaus auf. Doch von einem Erfolg möchten die Bewohner_innen erst sprechen, wenn ein konkreter Vertrag abgeschlossen ist. Die Gespräche werden fortgesetzt, wie es konkret weiter geht, ist nicht abzusehen.